Vom Boß zum Partner. Von Clemens-August Andreae. Edition Interfrom, Texte + Thesen 154, Zürich 1983, 90 Seiten, 14 DM.

Leben wir in einer Welt, die dem Unternehmer nicht nur kritisch, sondern auch feindlich gegenübersteht? In diesem Buch wird das jedenfalls – gewissermaßen als Aufhänger – behauptet, um daran über viele Seiten hinweg ein hohes Lied auf die Vorzüge der Marktwirtschaft anzustimmen. In der Marktwirtschaft ist der Kunde König („Nicht was man selbst möchte, wird hergestellt, sondern was die Kunden wollen“), die Versorgung der Gesellschaft mit Gütern aller Art funktioniert besser als in zentral gelenkten Wirtschaftssystemen. Darum müssen die Unternehmer „um den Weiterbestand der Rahmenbedingungen, die sie für ihre Arbeit brauchen – besonders um die Erhaltung ihrer Freiheit –, kämpfen“. Sie müssen sich in Verbänden organisieren, auch politisch engagieren und vor allem zu ihren Gewinnen bekennen, die „die Belohnung dafür sind, daß jemand nachfragegerecht und kostengünstig, also sozial richtig produziert“.

Gewiß, dieser Ansicht kann man sein. Nur: Was haben mittlerweile abgegriffene Sentenzen dieser und anderer, dem marktwirtschaftlichen Vokabular entnommener Allgemeinplätze mit dem Thema zu tun, was laut Titel („Vom Boß zum Partner“) dem verehrten Leser dieses Buches angekündigt wird? Lediglich in einem einzigen kurzen Kapitel gegen Ende der wohl als unternehmerische Seelenmassage gedachten Veranstaltung ist, nun auch wiederum nicht ganz neu, zu erfahren, daß „der Unternehmer nicht nur Leiter eines Betriebes ist – mit der Zielsetzung, nachfragegerecht und kostengünstig zu produzieren –, sondern auch Führer des sozialen Verbandes, den das Unternehmen darstellt“.

Der Unternehmer muß nicht nur tüchtig, sondern auch fähig sein, seine Mitarbeiter zu motivieren. Und „motivieren kann man, indem man ein spezielles Anreizsystem für Mitarbeiter schafft: eine Skala von leistungsgerechten Löhnen, Aufstiegschancen mit der Möglichkeit der Vergrößerung des Kompetenzbereiches, Titel und andere Auszeichnungen, Statussymbole wie Büroausstattung, einen kooperativen Führungsstil, der danach trachtet, daß die Mitarbeiter die Notwendigkeit einer Anordnung, das Anliegen des Unternehmens nachvollziehen können“.

Gewiß, auch das ist nicht falsch. Nur: Die Eigenheiten und Feinheiten partnerschaftlicher Zusammenarbeit sind in anderen einschlägigen Büchern schon tiefgründiger abgehandelt worden als in dieser reichlich summarischen Aufzählung unternehmerischer Führungsqualitäten. Der verdienstvollen Edition Interfrom ist hier offensichtlich ein Ausrutscher unterlaufen, mit Gewinn konsumierbar allenfalls für Unternehmer, die der moralischen Aufrüstung bedürftig sind.

Und mit diesen denkwürdigen Sätzen beendet Professor Clemens-August Andreae (Universität Innsbruck) das Buch: „Wo wollen wir hin? Zu einer Gesellschaft, in der jeder die Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen übernimmt. Und wie können wir dieses Ziel erreichen? Ich bin davon überzeugt, daß eine Marktwirtschaft, deren Grundpfeiler das freie Unternehmertum ist, dem einzelnen die größten Chancen der Entfaltung bietet. Aber genauso wichtig ist, daß trotz der Konkurrenz, die der Markt verlangt, das Motto heißt: Miteinander – Füreinander!“ So einfach ist das also, wenn der Boß zum Partner wird. Nur: So einfach ist das eben nicht! Wolfgang Krüger