Reichen unsere Wasserflächen eines Tages nicht mehr für alle Segler und Surfer aus? Bis 1990 werden 670 000 weitere Hobbykapitäne erwartet. Reglementierungen stehen ins Haus.

Auf den bundesdeutschen Binnengewässern tummelten sich 1981 rund 1,45 Millionen Segler und Surfer. Diese Zahlen ermittelte das „Institut für Freizeitforschung“ in München. Vielerorts führt der Ansturm bereits zu drangvoller Enge, denn jeder Segler oder Surfer braucht nach Expertenmeinung 0,2 Hektar Wasserfläche. Bundesweit bedeutet das einen Gesamtbedarf von 290 000 Hektar – was 50 Starnberger Seen oder 96mal das Steinhuder Meer wären.

Die Zahlen haben die Umweltschutzbehörden hellhörig gemacht. Denn diese Sportler gefährden nicht nur Schwimmer und Linienschiffe, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt. Häufig dringen sie in die Schilfgürtel der Seen ein und zerstören Nistplätze von Wasservögeln. Gerd Kramer vom Landesfremdenverkehrsverband Schleswig-Holstein: „Nach Ansicht meiner Landesregierung kann das nicht so weitergehen, man denkt an Surfverbote.“Wolfgang Eder vom bayerischen Umweltschutzministerium sieht das ähnlich: „Man wird um eine Reglementierung nicht herumkommen.“ Wie es heute an den Seen aussieht, schildert Dorle Döhrmann vom Fremdenverkehrsverband in Starnberg: „Neulich mußte die Wasserwacht an einem Tag 55 Surfer bergen, die nicht mehr ans Ufer kamen. Kopfverletzte Schwimmer gibt es oft, alte Leute trauen sich manchmal nicht mehr ins Wasser.“

Für Segler gibt es schon Zulassungsbeschränkungen. Boote dürfen nur zu Wasser gelassen werden, wenn für sie im Sommer ein Liege- und im Winter ein Hallenplatz da ist. Bei Surfbrettern greifen solche Regelungen nicht. Deshalb erlassen die Behörden immer häufiger teilweise oder totale Surfverbote auf den Seen.

Bis 1990 werden die Probleme um einiges zunehmen, denn die Münchener Freizeitforscher haben ermittelt, daß bis dahin die Zahl der Leute, denen die beiden Sportarten Spaß machen (Überschneidungen möglich), um 670 000 wachsen wird. 23 Starnberger Seen müßten noch hinzukommen, um sie aufnehmen zu können. Es ist also abzusehen, daß die Beschränkungen immer straffer werden.

Ob es dabei auch zu so sonderbaren Lösungen wie beim Königssee in Oberbayern kommt (Baden ist dort nur nachts erlaubt), liegt an der Behördenphantasie und den Kontrollmaßnahmen. Denn nur an wenigen großen Seen gibt es Polizeiboote, um Segel- oder Surfverbote auch durchsetzen zu können. Ministerialbeamte denken deshalb schon ernsthaft über Surfführerscheine und das obligate Surfpolizei-Boot nach. hgu