Jürgen Morlok gilt als Genschers Kronprinz

Von Gunter Hofmann

Stuttgart‚ im Juli

Eine Ente im Sommerloch, so hat Jürgen Morlok alle Mieldungen dementiert, wonach Hans-Dietrich Genscher ihn als seinen Nachfolger ausgespäht habe. Das Dementi in der Hand, das die Agenturen gesendet haben, sitzt man dem 37jährigen Stuttgarter gegenüber. Was stimmt nun? Schließlich ist es Hans-Dietrich Genscher, der auch selber das Gerücht von Morlok gepflanzt und in bewährter Manier zugleich dementiert hat.

Heißt der nächste Parteivorsitzende der FDP in der Ära nach Genscher, wann immer sie kommt, Jürgen Morlok? Endgültig entschieden ist wohl nichts. Aber wann gibt es das schon bei Genscher? Vielleicht im Herbst nächsten Jahres möchte er sich der Bürde seiner beiden Ämter entledigen, Parteivorsitz und Außenministerium, wenn die Verhältnisse in seiner Partei geordnet sind, das Erbe geklärt ist und er seinen starken Abgang erhoffen kann.

Der Ruf ehrt

Im übrigen werden neben Jürgen Morlok im Kreis des Bundesvorstands der FDP gleich noch drei weitere Namen für die Genscher-Nachfolge gehandelt: Natürlich der von Otto Graf Lambsdorff, dem Genscher allenfalls das Auswärtige Amt anvertrauen würde (aber sicher ist nichts); dann der von Wolfgang Mischnick, woran viele herumrätseln; und immer noch der Name von Ralf Dahrendorf. Heute den jungen Morlok, der seit kurzem stellvertretender Parteivorsitzender ist, ins Gespräch zu bringen, kann daher auch heißen: Alle anderen in Schach zu halten. Und würde ein Parteivorsitzender vom Schlage Genschers nicht auch den Namen Morloks ins Spiel bringen, wenn er selber im Amt bleiben will?