Arbeit, Mutterschaft und Friedensliebe stehen im Mittelpunkt

Von Ulrike Petzold

Für Dich, die illustrierte Wochenzeitung für die Frau, 60 Pfennig, ist kein Neuling, der den Markt der Frauenzeitschriften um ein weiteres Billigprodukt bereichern und alle Preise unterbieten will – es ist die führende Frauenzeitschrift der DDR. Auf 50 lose gelegten Seiten, fast im A3-Format, bringt Für Dich Woche für Woche wenig Mode und Make-up, dafür viel aus Produktion und Politik.

Das Blatt erscheint im „Berliner Verlag“; daneben gibt der Leipziger „Verlag für die Frau“ die Magazine pramo, saison und Sybille heraus, die alle drei Mode und Schnittmuster ohne politische Linie bieten, zum Preis von 1,50 bis 3,50 Mark.

Die Unterschiede zu hiesigen Frauenmagazinen fangen beim Titelbild an – im Mai zeigt Für Dich ein Büchlein von Karl Marx – und hören beim Impressum auf: Alle leitenden Posten sind von Frauen besetzt, sogar der Stuhl des Chefredakteurs. Werbung gibt es auch in der DDR, aber nur für ein Produkt, nämlich den realen Sozialismus: Und das heißt vor allem Produktion, Kampagnen, Kollektiv, fröhlicher sozialistischer Wettbewerb zur Planerfüllung. Neben diesem Grundpfeiler machen Kinder und Familie, Teilahme an Politik und Kultur das Für Dich-Frauenleben aus.

Das Ausland erscheint mit Bildberichten von Friedensmärschen in Nato-Ländern, die USA mit Arbeitslosigkeit, die UdSSR als Ferienparadies. Freudigen Botschaften aus Nicaragua, Kuba und Moçambique folgen Balkontips und giftige Pflanzen, und mit der Jugendherberge „Ernst Thälmann“ kommt Lokalkolorit ins Blatt.

Unter der Überschrift „Kirschen aus Nachbars Garten“ teilt die Autorin mit, daß in Döbeln die Ziele der Kampagne „Selbstversorgung mit Obst und Gemüse“ bereits zu 80 Prozent erfüllt werden, und deshalb erhält das Vorbild-Kollektiv einen Platz in Für Dich. Im Gespräch: Lisa Hempel, „Leiterin der Erfassungsstelle Mochan des Kombinats Obst, Gemüse und Speisekartoffeln, Betriebsteil Döbeln“. Die westlichen „models“ mit Seidenhaut und makellosem Körper werden im anderen Deutschland von den großen und kleinen Heldinnen der Arbeit ersetzt.