DIE ZEIT

Ein Recht auf Widerstand?

Kein Thema beschäftigt uns heute so intensiv wie das Problem des Widerstandes, die Frage also: Wie läßt sich Widerstand definieren, und wann eigentlich ist er berechtigt? Jemand, der kürzlich den Film über die Geschwister Scholl gesehen hatte, die 1943 zusammen mit anderen Studenten in München hingerichtet worden sind, erklärte, daß heute Ulrike Meinhof, wie damals Sophie Scholl, eine "Identifikationsfigur von moralischer Rigorosität" sei.

Quittung für Strauß

Auf den ersten Blick nimmt sich die Schlappe von Franz Josef Strauß wie das Ergebnis von Zufälligkeiten aus: beleidigte Niederbayern, die Strauß mit dem Vorwurf der Begriffsstutzigkeit an der empfindlichsten Stelle getroffen hatte; militante Ostpolitiker, denen er plötzlich in der falschen Ecke ihrer Vorstellungswelt erschienen war; ein öffentlich gewordenes Kasperletheater des Kabinetts; grummelnder Mißmut über die Umgebung von Strauß, über das "Herumstoibern" in mehr oder weniger geheiligten bayerischen Traditionen; eine Rede des Vorsitzenden schließlich, dem der Humor zu zähneknirschendem, verkrampftem Spott geriet, verletzend und die eigene Verletztheit offenlegend – ein Franz Josef Strauß nicht auf der Höhe der Situation.

Zurück in den Wald...

Agefangen hatte es mit einem Radio-Interview Außenminister Genschers. Auf die Frage nach der Zukunft der Genfer Verhandlungen über Mittelstreckenraketen sagte er: „Hier kommt es darauf an, daß die Blockierung der Verhandlungen, die durch das Verlangen der Sowjetunion entstanden ist, die englischen und französischen Waffensysteme mitzuberücksichtigen, beseitigt wird.

Zeitspiegel

Was soll Helmut Kohl Menachem Begin schenken, wenn er Ende August nach Israel fährt? Das Kanzleramt hatte eine schöne, auf den ersten Blick harmlose Idee: Der israelische Ministerpräsident würde sich sicher, über die Originalausfertigung des Abkommens freuen, das Konrad Adenauers Regierung vor drei Jahrzehnten mit internationalen jüdischen Organisationen schloß, um die materielle Entschädigung der nationalsozialistischen Schandtaten gegen Juden einzuleiten.

Worte der Woche

"Ich glaube, daß die Sowjetunion allen Anlaß hat, noch einmal darüber nachzudenken, ob nicht das Ergebnis, das der amerikanische und der sowjetische Unterhändler im letzten Sommer bei dem sogenannten Waldspaziergang erzielt hatten, in der Tat ein für sie akzeptables Ergebnis sein könnte, denn hier werden sowohl Sicherheitsgesichtspunkte der Sowjetunion berücksichtigt als auch das legitime Interesse des Westens.

Wolfgang Ebert: Reiseruf an F.J.S.

In Bonn werden in diesen Tagen Vermutungen laut, Strauß könnte, aus Verbitterung über die schnöde CSU, aber auch aus Enttäuschung über eine ihm von Kohl gestellte Kreditfalle, seine Reise durch den Ostblock, die er ja in Familienbegleitung (!) unternimmt, dazu benutzen, Honecker um Asyl zu bitten – eine nur zu logische Konsequenz seiner irritierenden Zuwendung zur DDR.

KSZE: Kein Kollaps in Madrid

Präsident Reagan bezeichnet das Ergebnis von Madrid als „das beste, das zu erreichen war“. Die Russen sprechen vage von der Möglichkeit eines „frischen Windes“ in den Ost-West-Beziehungen.

DDR: Was kann Honecker bieten?

Kein einziges Wort haben die Zeitungen und Sender der DDR bisher über den Milliarden-Kredit berichtet, den bundesdeutsche Banken der DDR-Außenhandelsbank gewährt haben.

Am 22. Juli, 19 Monate nach der Verhängung, wird in Polen das Kriegsrecht wieder aufgehoben. Was dies für das Land und seine Menschen bedeutet, bleibt umstritten. Die Bundesrepublik muß entscheiden, welche Politik sie gegenüber Polen einschlagen soll.: Um ein starkes Polen

Was hemmt uns eigentlich, mit Jaruzelski ebenso Politik zu machen wie mit dessen Vorgängern? Gomulka und Gierek waren unsere Partner bei der schwierigen, aber gelungenen Verständigung mit Polen; mit beiden haben wir gute Erfahrungen gemacht, aber beide versagten als Verwalter ihres Landes.

Mittelamerika: Furcht vor dem Krieg

Ronald Reagan will seine Mittelamerika-Politik gegen einen widerspenstigen Kongreß absichern und reaktiviert dafür Henry Kissingen; die Präsidenten der mittelamerikanischen „Contadora“-Gruppe warnen vor dem Ausbrach eines umfassenden Krieges in ihrer Region.

Griechenland: Abkommen

Andreas Papandreous sozialistische PASOK war 1981 im Wahlkampf für die Schließung der US-Stützpunkte und den Austritt aus der Nato eingetreten.

CDU: Frieden und Bewegung

Beschwingt erhebt sich die Friedenstaube von schwarz-rotgoldenem Grund. Sie hat gar nichts zu tun mit ihrer kläglichen Artgenossin, die – durchbohrt von einer mächtigen Rakete – von anderen Plakaten kündet, wie anderen es um den Frieden in diesem unserem Lande bestellt ist.

Wie weit reicht die Bonner Seelenachse?

Nun ist der Kanzler gefragt", beendet die FAZ einen Kommentar. "Wo bleibt des Kanzlers ordnende Hand?", fragt Die Weh. Helmut Kohl befand sich zu diesem Zeitpunkt nur gerade schon auf dem Weg zu François Mitterrand.

Armenier: Neuer Terror

Die „Geheime Armee zur Befreiung Armeniens“ (ASALA) hat seit Beginn der siebziger Jahre zwei Dutzend türkische Diplomaten umgebracht, hat im vergangenen Sommer ein Blutbad auf dem Flughafen Ankara angerichtet und jetzt wieder den türkischen Feind im Ausland getroffen.

Erst sollte Klaus Barbie ein im Fernsehen übertragener Schauprozeß gemacht werden. Nun hoffen viele Franzosen, das Verfahren möge ohne viel Aufsehen über die Bühne gehen. Zu viel Verdrängtes kam hoch: eigene Verstrickung in den Faschismus und in die Kollaboration mit den Nazis.: Bruder Barbie

Zunächst sah alles nach Sensation aus. Als der SS-Scherge Klaus Barbie Anfang Februar 1983 endlich von Bolivien nach Frankreich ausgeliefert und an der alten "Stätte seines Wirkens", in Lyon, in U-Haft genommen wurde, überschlugen sich die französischen Medien vor Genugtuung.

„Man muß Barbie freilassen“

Jacques Vergès: Mir geht es weder um Barbie persönlich noch um die Rechtfertigung der SS-Verbrechen. Ich will die ganze Wahrheit, denn dieser Prozeß ist für mich nur ein Schwindel.

Strom aus Sonne und Sand

Nun gibt es auf der schleswig-holsteinischen Nordseeinsel Pellworm gar keine Sandstrände – aber den Leuten von Presse, Funk und Fernsehen war das ganz schnuppe.

Kirschenernte im Akkord: Türken besonders gefragt

Sie kommen in Scharen, wenn die Kirschen reif sind: die cleveren Hamburger, die mit dem Auto vorfahren, um am Straßenrand frisch aus den Körben zu kaufen – und das unverschämte Amsel-Drossel-Fink-und-Star-Ensemble, das eine Etage höher frisch vom Baum erntet.

Schlappe für Norbert Blüm

Ordnung muß sein. Wer den Arbeitslosen tatkräftig helfen will, sollte die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit und ihren Präsidenten Josef Stingl um Erlaubnis fragen.

Teils amtlich, teils privat

In Großbritannien hüteten sich selbst Labour-Regierungen davor, am Zusammenleben von staatlichen Arbeitsämtern und privaten Vermittlern zu rühren.

Bonner Kulisse

Die Diäten der Bonner Bundestagsabgeordneten – 7500 zu versteuernde Mark im Monat und 4500 Mark steuerfreie Büropauschale – sind wieder ins Gerede gekommen – zwei Monate zu früh übrigens.

Erfolg durch Festigkeit

Eine Woche lang haben alle, die eine Finanzkatastrophe weltweiten Ausmaßes verhindern wollen, auf ihn geblickt – auf Fritz Leutwiler, den 59jährigen Präsidenten der Schweizer Nationalbank und Präsident der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Neue Aktien: Selbstgänger

Schon wenige Stunden nach Zeichnungseröffnung lagen Kaufaufträge für 850 000 Stück der stimmrechtslosen Vorzugsaktien der Tewidata AG für technisch-wissenschaftliche Datenverarbeitung, München, vor.

Kuren: Überraschung

Nur so ist zu erklären, daß die Kostendämpfung im Gesundheitswesen, die auch zu einer deutlichen Verminderung der Kuren geführt hat, jetzt die Politiker auf den Plan ruft.

Berlin: Kampf um Dosen

Der Berliner Wirtschaftssenator Elmar Pieroth, der sich gerne seiner Erfolge bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze rühmt, hat Ärger mit Bundesinnenminister Zimmermann bekommen.

Preisabsprachen: Versuchung

In Festreden, vor Fernsehkameras und Rundfunkmikrophonen ist Paul Schnitker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, stets wortreich für die Handwerkstugenden und die Segnungen der Marktwirtschaft eingetreten.

Neuerscheinungen: Ein Trost für Unternehmer

Leben wir in einer Welt, die dem Unternehmer nicht nur kritisch, sondern auch feindlich gegenübersteht? In diesem Buch wird das jedenfalls – gewissermaßen als Aufhänger – behauptet, um daran über viele Seiten hinweg ein hohes Lied auf die Vorzüge der Marktwirtschaft anzustimmen.

Japan: Abschied der Greise

Ich habe noch und noch Bücher über die Biotechnologie gelesen, aber kein einziges auch nur annähernd begriffen“, klagte jüngst Tomo Tokusue.

Gespräche am Bankschalter: Aktionäre als Retter

Ende November vergangenen Jahres waren Vorstand und Aufsichtsrat der Hapag-Lloyd AG, Hamburg-Bremen, noch der Meinung, die Sanierung des durch Verluste gebeutelten Unternehmens aus eigener Kraft, das heißt ohne Neuzuführung von Kapital, schaffen zu können.

Börsen-Report: Zinssorgen

Die Anhörung des amerikanischen Notenbankpräsidenten Paul Volcker vor dem Bankenausschuß des Senats in Washington hat keine Anzeichen für eine Änderung der „leicht restriktiven“ amerikanischen Kreditpolitik ergeben.

ZEITRAFFER

Eine erste Zwischenbilanz über die Lage am Lehrstellenmarkt hat der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) gezogen. Danach registrierten die Kammern eine Zunahme der abgeschlossenen Ausbildungsverträge von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Revier hat Chancen

ZEIT: Daß die Arbeitslosenquote im Ruhrgebiet höher ist als im Durchschnitt der Bundesrepublik, daran hat man sich inzwischen ja gewöhnt.

MANAGER UND MÄRKTE

Zum Wochenbeginn wurde in München zur allgemeinen Überraschung bekannt, daß Strauß bereits zehn Tage zuvor in den Aufsichtsrat des Luft- und Raumfahrtkonzerns MBB gewählt wurde.

Ein Fall fürs Kartellamt

Berlins Wirtschaftssenator handelte konsequent: Die Benzinpreise in der Inselstadt seien „wettbewerbs- und berlinpolitisch ganz unerträglich“, schrieb Elmar Pieroth an den Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im Abgeordnetenhaus.

Demokratie und Leistung

Wenn die Erziehungswissenschaft ihren Beitrag zur Lösung dieser: Fragen leisten will, müssen zusammenfinden, was sich heute in der Pädagogik noch meidet: analytisch-technologische Rationalität und kritisch wertende Vernunft.

Den Schleier gelüftet

Der amüsante und provozierende Beitrag des Literaturwissenschaftlers Joachim Dyck über den qualvollen Alltag seiner Professoren – Kollegen „Erschöpft, gebeutelt und heimgesucht“ hatte ein großes Echo ausgelöst.

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