Zimmermann contra Pieroth: Sorgen um die Umwelt und um Arbeitsplätze

Der Berliner Wirtschaftssenator Elmar Pieroth, der sich gerne seiner Erfolge bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze rühmt, hat Ärger mit Bundesinnenminister Zimmermann bekommen. Denn im Rahmen der Berliner Wirtschaftsförderung lockte Pieroth ein Unternehmen in die alte Reichshauptstadt, mit dem der CSU-Umweltschützer alles andere als einverstanden ist: Der schwedische Verpackungs-Multi PLM und die amerikanische Ball Corporation aus Indiana wollen in der Berliner Görzallee eine Getränkedosenfabrik bauen, die von 1984 an jährlich 600 Millionen Aluminiumdosen für Limonaden und Bier produzieren soll.

Weil es das erklärte Ziel der Bonner Umweltschützer ist, gegen den Verkauf von Getränkedosen anzukämpfen und statt dessen Pfandflaschen zu propagieren – man will Müllbergen vorbauen –, reagierte Zimmermann entsprechend ungehalten. In seinem Auftrag ließ er vor einigen Wochen einen Brief an Pieroth schreiben, der seinem Unmut deutlich Ausdruck gab. Mit gleicher Post ging ein Brief an den neuen Berliner Umweltsenator Horst Vetter ab. Und Zimmermanns Staatssekretär Carl-Dieter Spranger schickte auch gleich noch ein ernstes Schreiben an die beiden Herstellerfirmen nach – wie’s scheint, ohne Erfolg. Die Antwort Pieroths, der zur Zeit Ferien macht, soll dieser Tage abgeschickt werden und bekräftigt nur, daß die Arbeitsplätze für die Stadt wichtig sind. In der Görzallee in Lichterfelde werden munter weiter alte Gebäude abgerissen, noch in diesem Monat soll mit dem Neubau der Ball/PLM-Dosenfabrik begonnen werden.

Zimmermann weiß, daß Pieroth rechtlich nicht gegen die Neuansiedlung vorgehen kann, denn schließlich haben sich die Firmen nichts zuschulden kommen lassen. Auch die Berlinpräferenzen, mit denen das Unternehmen später die umweltfeindlichen Getränkedosen günstiger und vom Staat subventioniert absetzen kann, darf Pieroth nicht willkürlich streichen.

Einem Vorwurf muß er sich allerdings aussetzen: Er hat sich nicht einmal bemüht, die Neuansiedler aus seiner Stadt zu vertreiben. Im Gegenteil: die Wirtschaftsförderung Berlin GmbH – vom Land Berlin eingerichtet – hat den Firmen mit Rat und Tat bei der Planung von Standort und Finanzierung zur Seite gestanden. Die Investitionen von 130 Millionen Mark sollen der Stadt schließlich 250 Arbeitsplätze bringen, freute sich der Chef der Beratungsfirma Robert G. Layton. Und auch im Haus des Wirtschaftssenators entschuldigt man sich kaum für den umweltpolitischen Fauxpas. „In dieser Zeit wird keiner sagen, wenn ihr Arbeitsplätze wollt, dann bitte nicht hier, sondern woanders“, erklärt ein Sprecher.

Elmar Pieroth sah zwar die umweltpolitische „Problematik“ noch am ehesten ein. Doch, so tröstete er den ehemaligen Berliner Abgeordneten der Alternativen Liste Peter Sellin, es sei ja alles nicht so schlimm: Die Getränkedosen aus der neuen Fabrik würden hauptsächlich außerhalb Berlins verkauft, der Abfall würde also nicht in der Stadt, sondern anderswo auftauchen.

Für Bundesinnenminister Zimmermann ist das ein schwacher Trost. Schon heute werden rund 300 Millionen Aluminiumdosen im Jahr von der Getränkeindustrie verkauft. Den Recycling-Experten machen sie besonders große Sorgen, da die Alu-Dosen im Gegensatz zu den Getränkedosen aus Weißblech nicht einmal mit Magneten aus dem Hausmüll heraussortiert und wiederverwertet werden können. Weitere sechshundert Millionen Alu-Dosen auf dem Markt würden das Müllproblem – zehn Prozent des deutschen Hausmülls resultieren bereits aus Getränkeverpackungen – nur verschärfen.