Rom und Cinti Union wehrt sich gegen "Datenschutz" – Vorwand

Hamburg

Helga Schuchardt wußte nicht recht, welche Miene sie zu diesem Spiel machen sollte: Kurz vor der öffentlichen Diskussion über Zigeunerkultur in der Hamburger "Fabrik" mußte sich die Kultursenatorin die Karten legen lassen. Ihr Medium: die 60 Jahre alte Zigeunerin Maria Karway, die von Sozialhilfe lebt, die "von Adolf beim Vergasen vergessen wurde", wie sie noch heute oft in der U-Bahn hört.

Die alte Frau, füllig in ein schwarzes Tuch gehüllt, putzte ihre Brille im gleißenden Licht und legte los, zur Freude der Fernsehleute.

"Ein langes Leben, gnädige Frau, erwartet Sie." 97 Jahre prophezeite sie der Senatorin. "Sie sind ein Genie!" verriet sie ihr dann. "Oh!" entfuhr es Frau Schuchardt. "Oh, ja, Madame", setzte die Wahrsagerin nach. "Sie sind dazu geboren, zu regieren. Viele werden gehen von eurer Regierung, aber Sie werden bleiben."

Mit den Schmeicheleien war es vorbei, kaum daß die Diskussion begonnen hatte. Das Streitgespräch zwischen der Senatorin und dem Leiter des Hamburger Staatsarchivs, Hans-Dieter Loose, auf der einen Seite und dem Vorsitzenden der Rom und Cinti Union, Rudko Kawczynski, und anderen auf der Gegenseite kannte nur ein Thema: die 1120 Zigeunerakten im Hamburger Staatsarchiv, die vom Senat unter Verschluß gehalten werden.

Der Abend mündete in die erregte Erklärung Kawczynskis, am 8. September werde eine Gruppe Hamburger Zigeuner in den unbefristeten Hungerstreik treten – just dann, wenn eine Zigeuner-Ausstellung des Institutes für Völkerkunde ihre Pforten öffnet.