Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß – im Fasching bereits zum König in Bayern gekrönt – schickt sich an, König der Lüfte zu werden.

Zum Wochenbeginn wurde in München zur allgemeinen Überraschung bekannt, daß Strauß bereits zehn Tage zuvor in den Aufsichtsrat des Luft- und Raumfahrtkonzerns MBB gewählt wurde. Weder die Staatskanzlei noch das Unternehmen verlautbarte etwas darüber. An MBB ist der Freistaat Bayern maßgeblich beteiligt.

Der bayerische Politiker ist damit in den Aufsichtsgremien von drei mit der Luftfahrt verbundenen Unternehmen: Am 14. Juli wurde er in den Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG gewählt; bereits seit Jahren ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Airbus Industrie.

Die drei Unternehmen pflegen auch lebhafte Geschäftsverbindungen: MBB fertigt den deutschen Anteil an der Airbus-Produktion; die Lufthansa fliegt Airbusse und ist einer der größten Kunden der Airbus Industrie.

*

Hierzulande gibt es nicht viele Menschen, die praktische Erfahrungen haben und sich über allgemeine Zusammenhänge Gedanken machen. Zu ihnen gehört Johann Philipp Freiherr von Bethmann, der jetzt wegen dieser seltenen Begabung beruflich gescheitert ist. Die Bayerische Vereinsbank, die seit 1976 am Frankfurter Bankhaus Gebr. Bethmann mehrheitlich beteiligt ist, hat mitgeteilt, daß Baron Bethmann als geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter dieser Bank ausscheidet.

Es ist kein Geheimnis, daß Bethmann mit seinen politisch-publizistischen Aktivitäten auf den Widerwillen von Maximilian Hackl, des Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Vereinsbank, gestoßen war. Bethmann hatte wiederholt die Politik der Bundesbank angegriffen und in seinem Buch Die Zinskatastrophe den unausweichlichen Zusammenbruch des Weltwährungssystems vorausgesagt. Journalisten mit wirtschafts- und währungspolitischen Aufgaben sind nahezu wöchentlich von ihm brieflich auf die Fehler hingewiesen worden, die sie seiner Meinung nach in ihren Kommentaren begangen haben.