In Bonn werden in diesen Tagen Vermutungen laut, Strauß könnte, aus Verbitterung über die schnöde CSU, aber auch aus Enttäuschung über eine ihm von Kohl gestellte Kreditfalle, seine Reise durch den Ostblock, die er ja in Familienbegleitung (!) unternimmt, dazu benutzen, Honecker um Asyl zu bitten – eine nur zu logische Konsequenz seiner irritierenden Zuwendung zur DDR. Der eingefädelte Kredit wäre seine Morgen-

Nun mag es ja sein, daß der eine oder andere – so mancher käme in Frage – aus nur zu durchsichtigen Motiven eine solche Lösung des Problems Strauß begrüßen würde. Wir, die Glossisten und Karikaturisten, gehören nicht dazu. In ihrer aller Namen gebe ich darum folgenden Reiseruf durch:

F. J. Strauß, wo immer Sie zwischen Prag, Warschau und Ost-Berlin gerade sein mögen: Übereilen Sie nichts! Wägen Sie Ihre Schritte gründlich ab! Noch gibt es ein Zurück! Gewiß, Ihnen ist im Westen, besonders in Ihrem geliebten Bayernland, übel mitgespielt worden. Das sollte Sie aber nicht dazu verleiten, sich drüben Potemkinsche Dörfer vorgaukeln zu lassen und auf einmal zu glauben, im Osten sei alles besser! Auch dort wird nur mit Wasser gekocht! Dafür sollte Sie Ihre Trauer über den Westen nicht blind machen. Lassen Sie sich von Honecker nicht mit schnöden Posten und Datschen ködern. Vergessen Sie nie: Sie sind ein Bayer und können sich im Osten auf die Dauer niemals heimisch fühlen.

F. J. Strauß! Mit Ihrem scharfen Verstand haben Sie sofort erkannt, daß ich pro domo spreche: Jawohl, wir, die wir von Ihnen über mehr als zwei Jahrzehnte verwöhnt worden sind, können Sie nicht entbehren, brauchen Sie mehr denn je! Sie können es uns einfach nicht antun, Sie können uns nicht einfach im Regen stehen lassen. Im Osten kräht nach Dissidenten kein Hahn.

Hier aber gibt es für Sie keinen Ersatz. Da wächst auch nichts nach. Den Kohls, Geißlers, Zimmermanns fehlt einfach das Format, um uns Glossisten und Karikaturisten mehr als ein müdes Gähnen zu entlocken.

Darum unsere herzliche Bitte: Kommen Sie zurück, verwinden Sie Ihren Schmerz, zügeln Sie Ihren Unmut, erbarmen Sie sich unser! Schon jetzt leidet mancher Kollege unter schweren Entzugserscheinungen.

Sollte Ihr Entschluß, im Osten zu bleiben, jedoch endgültig sein, Sie aber eines Tages die unbezwingbare Sehnsucht nach Bayern zu einem heimlichen Abstecher verleiten, und zwar inkognito, und sollte inzwischen Kollege Zimmermann das absolute Vermummungsverbot für alle Bundesbürger eingeführt haben, dann wären wir – das ist unsere Gegenleistung – die letzten, Ihnen die Maske vom Gesicht zu reißen!