Ordnung muß sein. Wer den Arbeitslosen tatkräftig helfen will, sollte die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit und ihren Präsidenten Josef Stingl um Erlaubnis fragen. Weil er dies nicht tat und das Arbeitsvermittlungsmonopol der Nürnberger mißachtete, wurde dem Bürgermeister von Schalksmühle in Nordrhein-Westfalen "eine Geldbuße bis zu 30 000 Mark" angedroht.

Im niederbayerischen Burghausen ging dem überaus renitenten CSU-Stadtrat Gustl Geith – er hatte zwar vierzehn Jugendlichen eine Lehrstelle vermittelt, aber jede Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt abgelehnt – ein Bußgeldbescheid über 1085 Mark zu.

Und auf Geheiß von Josef Stingl mußten die nordrhein-westfälischen Wirte davon absehen, 126 fest zugesagte Lehrstellen im Rahmen einer privaten Aktion zu vermitteln.

Das waren "in der Öffentlichkeit aufgebauschte Fälle", wiegeln Josef Stingl wie auch die Gewerkschaften ab. Vier oder fünf Einzelfälle seit 1980, gewiß, doch warum die Schlagzeilen? Weil die Öffentlichkeit für jene Partei ergriff, die unbürokratisch helfen wollten. Für die Nürnberger Bundesanstalt war das eine Herausforderung – eine mehr.

Weil es sich nirgends sinnvoll und definitiv abgrenzen läßt, hat ihr Vermittlungsmonopol viel von seinem einstigen Glanz verloren. Nur noch ein Drittel aller Arbeitsverträge kommen dank der Mitwirkung von Arbeitsämtern zustande. Zu viele Betriebe wenden sich nicht mehr oder nur selten an die 146 Ämter. Ohnedies dürfen sich Manager und Künstler auch privat und gegen Entgelt vermitteln lassen, von den Leiharbeitern nicht zu sprechen; hier ist der Marktanteil der privaten Vermittler größer als jener des angeblichen Monopolisten.

Daneben hat Nürnberg manche Marktnische 48 gemeinnützigen Organisationen und Verbänden überlassen: Da ist die Paritätische Fußballspieler-Vermittlungsstelle am Ball, da vermittelt der Zentralverband katholischer Kirchenangestellter fleißig "Küster, Organisten und Chorleiter". Aber auch Apotheker, Chemiker, Krankenschwestern oder jobbende Studenten sind auf die Vermittlungsdienste der Bundesanstalt nicht angewiesen.

In der Vermittlung von Lehrstellen blieb freilich ihr Monopol bislang unangetastet: Jugendliche sind besonders schutzbedürftig, weil unerträgliche soziale Mißstände "zum Teil auch heute noch im privaten Vermittlungswesen zu beobachten" sind, so Gisela Rauschhofer, Autorin einer im übrigen äußerst kritischen Studie über das Arbeitsvermittlungsmonopol.