Saarlouis am Morgen „danach“: Die Luft scheint noch vom Lärm biertrinkender und bratenverschlingender Menschenmassen zu vibrieren. Katerstimmung. Verschwunden wie eine Fata Morgana ist über Nacht das Heer von Buden und Bänken, von Tischen und Ständen. Nur das Gerüst des großen Musikzelts steht noch da – ein fleischloses Gerippe. Und über den leergefegten Gassen der Altstadt wippen noch bunte Fähnchen – ohne Sinn.

„Emmes“ war. Das „Feschd der Feschde“ in Saarlouis, Höhepunkt der alljährlichen Saarlouiser Woche. Und auch dieses Mal konnten die Lokalredakteure der örtlichen Zeitung von Rekordbesucherzahlen schwärmen. Doch wer glaubt, daß nach solch extensiver Feierei die Kreisstadt übergangslos zum Alltag zurückkehren würde, kennt Saarlouis schlecht.

Schon am Nachmittag füllen sich wieder die Gassen der Altstadt. Wo tags zuvor noch Flohmarktstände den Weg verstellten, sind jetzt ungezählte Bistro-Tischchen dicht an dicht gruppiert. Bevölkert von jungen Leuten, modisch aufgeputzt, so wie man es in so braver Orientiertheit häufig in Kleinstädten beobachten kann. Sie kommen aus der ganzen Umgebung, von Ensdorf, von Dillingen, sogar aus dem benachbarten Saarbrücken. „Weil’s hier netter ist.“

Sonne im Wappen

Saarlouis ist ein Phänomen. Diese kleine Stadt im saarländischen Winkel, rund zehn Kilometer von der französischen und rund 50 Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt, wurde vor rund 300 Jahren aus dem Boden gestampft und dann beinahe vergessen. Sie stand wie kaum eine andere zwischen den Fronten der Länder Frankreich und Deutschland. Und sie schaffte es mit erstaunlichem Einsatz, erneut aufzusteigen. Heute hat sie den Beinamen „Heimliche Hauptstadt des Saarlandes“.

In seinem Wappen trägt Saarlouis eine Sonne, die die Wolken vertreibt. Symbol des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Kein Geringerer als er ließ 1676 Sarrelouis, das spätere Saarlouis, auf morastigem Wiesengrund errichten, weil er eine Lücke im Festungsgürtel gegen das Deutsche Reich schließen wollte. Sein Gouverneur, Thomas de Choisy, schrieb, nachdem er den Platz begutachtet hatte: „Es ist hier eine der günstigsten Lagen, die ich je gesehen habe, und es ließe sich eine der besten Festungen Frankreichs anlegen.“

Damit hatte die Geburtsstunde der Stadt geschlagen. Über die gewaltigen Geburtswehen schreibt die Stadtchronistin Traudel Huber in nüchterner Manier: „Fast 6000 Soldaten und Zivilisten (Steinmetzen, Maurer, Handwerker, Holzfäller, Sappeure und Handlanger) waren vier Jahre lang an dem Bau der Festung beschäftigt, die den König fünf Millionen Livres kostete.“