Das Gesetz zur Erfassung der touristischen Übernachtungen in der Bundesrepublik, gerade erst 1980 geändert, ist erneut verbesserungsbedürftig. Statistiken verzerren das Bild, und die Gemeinden klagen über ungerechte Verteilung von Förderungsmitteln.

Als der Bundestag 1980 auf Initiative der SPD/FDP-Koalition das Beherbergungsstatistikgesetz änderte, schoß er zweifelsohne damit ein Eigentor. Die Politiker, das sei ihnen zugute gehalten, wollten mit der Gesetzesänderung den Fremdenverkehrsfachleuten helfen, die Übernachtungen in der Bundesrepublik besser zu erfassen. Denn das alte Gesetz von 1960 hatte ein entscheidendes Manko: Es beschränkte die Zählung auf 3000 ausgewählte Fremdenverkehrsorte. Und die, so argumentierten die Gesetzesänderer, seien längst nicht mehr repräsentativ.

Also wurden seit 1981 die Übernachtungen in allen deutschen Beherbergungsbetrieben registriert, freilich – und das ist das Problem – in solchen, die mehr als acht Betten zu vermieten haben. Selbst Fremdenverkehrsexperten in der eigenen SPD-Fraktion hatten damals warnend darauf hingewiesen, daß damit zukünftig 13 000 kleinere Pensionen und rund 100 000 Privatquartiere aus der Statistik herausfallen würden.

Und so traf es auch tatsächlich ein. Werner Schorn vom Deutschen Fremdenverkehrsverband bezeichnet das Jahr 1981, also das erste Jahr mit dem neuen Gesetz, als das „Nulljahr“, als ein Jahr nämlich, in dem es keinerlei verläßliche Zahlen darüber gibt, wie viele in- und ausländische Urlauber in Deutschland übernachtet haben. „Erst für 1982“, so Schorn, „gibt es darüber wieder halbwegs realistische Zahlen.“ Denn inzwischen haben einige Bundesländer in eigener Regie Erhebungen eingeführt.

Danach ist im letzten Jahr die Zahl der touristischen Übernachtungen in der Bundesrepublik um rund zwei Prozent zurückgegangen. Nach dem Beherbergungsstatistikgesetz war ein Rückgang von acht Prozent errechnet worden. „Eine völlig falsche Zahl“, sagt Werner Schorn, „weil eben die seit neuestem so beliebten kleinen Pensionen und Privatquartiere nicht berücksichtigt sind.“

Nun soll aber die offizielle Beherbergungsstatistik den Fremdenverkehrsfachleuten nicht nur zur Planung dienen, sie ist auch für die Urlaubsorte bei der Berechnung der Zuschüsse von Land und Bund wichtig. Die Gelder aus dem Kurorteansatz oder aus der Fremdenverkehrsförderung der Länder werden beispielsweise nach Anzahl der Übernachtungen verteilt. So gesehen, schmerzt es die Gemeinden natürlich besonders, wenn sie falscher Zahlen wegen nicht das Geld bekommen, das ihnen eigentlich zusteht. Zumal es kein Geheimnis ist, daß viele Fremdenverkehrsorte kurz vor der Pleite stehen.

Deshalb sind sich in Bonn Regierung und Opposition einig, daß das Beherbergungsstatistikgesetz erneut änderungsbedürftig ist. „Derzeit“, so der CDU-Fremdenverkehrsexperte Rolf Olderog, „wird noch nach einer Lösung gesucht, die zwar eine effektive Erhebung garantiert, aber gleichzeitig von den Betroffenen möglichst wenig Arbeitsaufwand verlangt. Einen Anknüpfungspunkt sieht er zum Beispiel bei der schon praktizierten Erfassung der Kurtaxe.