Pellworm

Eckehard Schmidt, Leiter des Fachbereichs Neue Technologien bei der AEG, wollte besonders pfiffig sein: „Die Sonne ist umsonst, der Sand ist umsonst, aber der Strom deshalb noch lange nicht.“

Nun gibt es auf der schleswig-holsteinischen Nordseeinsel Pellworm gar keine Sandstrände – aber den Leuten von Presse, Funk und Fernsehen war das ganz schnuppe. Sonne gibt’s auf diesem bestbelichteten Flecken der Bundesrepublik, und auf die kommt es an. Denn in der letzten Woche wurde das zweitgrößte photovoltaische Solarkraftwerk der Welt auf Pellworm in Betrieb genommen. An guten, sprich sonnenreichen, Tagen wirft die Versuchsanlage bis zu 300 Kilowatt Leistung ab und versorgt damit die elektrischen Verbraucher des Kurzentrums.

Halbleiterzellen aus Silizium verwandeln das Licht direkt in elektrische Energie. Das Verfahren heißt deshalb „photovoltaisch“. Andere Kraftwerkstypen arbeiten mit der Erwärmung von Flüssigkeiten. 17 568 Solarmodule sind zusammengeschaltet, verteilen sich auf 62 Paneele, die eine Fläche von der Größe zweier Fußballfelder beanspruchen. Nachts übernehmen Batterien die Stromversorgung. Mit ihrer Chemie sind sie das schwächste Glied der solarelektrischen Kette.

Ziel des Projektes ist, herauszufinden, was die Batterien austeilten, was eine Solaranlage überhaupt in nördlichen Breiten leisten kann. Elf Millionen Mark hat die AEG mit Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft und des Bundesforschungsministeriums in das Projekt investiert.

„Das ist eine Stunde der Freude, eine historische Stunde“, sagte Eckehard Schmidt bei der Einweihung. Hundert Jahre nach Gründung der AEG habe das Elektrizitätsunternehmen wieder einen Meilenstein gelegt. Indes: Die großen Worte waren gekoppelt an die Erklärung, Sonnenstrom werde in germanischen Gefilden nie Bedeutung erlangen. Er sei bedeutsam nur für abgelegene Gebiete, in der Dritten Welt vor allem.

Noch kostet die Kilowattstunde Solarenergie zwei Mark. Vor zehn Jahren waren es zehn Mark, in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts will die AEG den Preis auf 30 Pfennige drücken. Teuer ist vor allem die Herstellung des Siliziums aus dem reichlich vorhandenen Rohstoff Sand (Siliziumdioxid), weil das Verfahren hohe Temperaturen erfordert und vom Endprodukt äußerste Reinheit verlangt wird.