Jork

Sie kommen in Scharen, wenn die Kirschen reif sind: die cleveren Hamburger, die mit dem Auto vorfahren, um am Straßenrand frisch aus den Körben zu kaufen – und das unverschämte Amsel-Drossel-Fink-und-Star-Ensemble, das eine Etage höher frisch vom Baum erntet.

Die einen, die mit den Portemonnaies, sind gelitten bei den Obstbauern im Alten Land; die anderen, die gefiederten Nascher, möchte man gern verscheuchen. Aber alle sind treue Kunden, die wissen, daß es im Alten Land bei Hamburg, dem größten geschlossenen Obstanbau-Gebiet der Bundesrepublik, etwas zu holen gibt, wenn die Kirschen reif sind. Und das vor allem günstig.

"Für uns ist die Zeit der Kirschen-Ernte die schönste Zeit im Jahr", sagt Margrit Schuback, die zusammen mit ihrem Mann einen Familienbetrieb in Neuenschleuse bei Jork betreibt. "Wenn die Kirschen reif sind, kommt das erste Geld ins Haus."

Die Obstbäuerin arbeitet beidhändig; denn die Leute aus der Großstadt haben wenig Zeit. Margrit Schuback gibt mit der einen Hand und kassiert mit der anderen. Und wenn sie mal eine Hand frei hat, dann schiebt sie sich selbst Kirschen in den Mund.

Die Kirschen-Ernte dauert etwa sechs Wochen. In dieser Zeit entscheidet sich, ob der Bauer ein gutes Jahr haben wird oder ein schlechtes. "Die diesjährige Ernte ist mittelmäßig", sagt Margrit Schuback. "Vorher war es zu kalt, und die große Hitze Anfang Juli hat dafür gesorgt, daß fast alle Kirschen-Sorten gleichzeitig reif wurden."

Es muß deshalb konzentrierter als sonst geerntet werden. "Dabei sind die Türken bei uns im Alten Land besonders gefragt als Pflücker", sagt der Obstbauer. "Sie sind fleißig, korrekt, und man kann sich auf sie verlassen."