In Festreden, vor Fernsehkameras und Rundfunkmikrophonen ist Paul Schnitker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, stets wortreich für die Handwerkstugenden und die Segnungen der Marktwirtschaft eingetreten. Doch seit die Düsseldorfer Landeskartellbehörde wegen verbotener Preisabsprachen gegen Schnitker ermittelt, ist die Glaubwürdigkeit des Funktionärs erschüttert. Sein Malerbetrieb in Münster soll einen Großauftrag beim Neubau der Münsteraner Volksbank dank verbotener Preisabsprachen mit den Konkurrenten ergattert haben.

Nun ermitteln Kartellbehörden viel, und längst nicht in allen Fällen können sie Verstöße beweisen. Auch Schnitkers Fall ist noch nicht abgeschlossen, deshalb hat er noch als unschuldig zu gelten. Aber eines ist sicher: Beweist die Kartellbehörde Schnitkers Verwicklung in die verbotene Preisabsprache, ist er als Präsident des Handwerkerverbandes nicht mehr tragbar. Daran ändert auch der eher hilflose Hinweis auf den Geschäftsführer nichts, der für alles verantwortlich sein soll. Ebensowenig verfängt der Versuch des Verbandes, strikt zwischen Schnitkers Amt als Präsident und seinem Beruf als Handwerksmeister zu trennen.

Die Taten des Handwerksmeisters müssen sich schon an den Worten des Handwerkspräsidenten messen lassen. chr