Von Robert G. Livingston

Nie waren die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Amerika so schlecht wie zu Zeiten Jimmy Carters. Zbigniew Brzezinski, Carters Sicherheitsberater, gibt dies in seinen Memoiren unumwunden zu. Persönliche Animositäten zwischen Carter und Helmut Schmidt machten es in den Jahren 1977-80 noch schwerer, den wachsenden Interessenkonflikt zwischen beiden Ländern zu überbrücken. Wie Brzezinski jetzt enthüllt, war Schmidt jener world statesman, den er und Carter am wenigsten mochten:

Zbigniew Brzezinski: „Power and principle. Memoirs of the National Security Adviser 1977-1981“; Verlag Farrar – Straus – Giroux, New York 1983; 547 S., $ 22,50.

In den Jahren 1977 und 1980 war es am schlimmsten. Die neue Carter-Regierung stürzte sich voller Tatendrang in die Menschenrechtspolitik und wollte den Export nuklearer Technologie einschränken; das stand zwangsläufig im Widerspruch zu deutschen Interessen in Osteuropa und Lateinamerika. Gleichzeitig vernachlässigte Amerika seine Führungsrolle in internationalen Wirtschaftsfragen. Schmidt war überzeugt davon, daß Carter gerade dort sein Gewicht in die Waagschale werfen müsse.

1980 stand ganz im Zeichen der Wahlen, denen sich sowohl Schmidt als auch Carter stellten. Beider Außenpolitik mußte sich oft der Wahltaktik unterwerfen. Weder Carter noch Schmidt schienen jedoch bereit, für die Lage des anderen Verständnis aufzubringen. Vielleicht wollte auch keiner den anderen wiedergewählt sehen?

Carter schwenkte im Wahlkampf auf Härte gegenüber Moskau ein, um Schritt mit der neu erwachten patriotischen Stimmung in Amerika zu halten. Er drängte Bonn zu Sanktionen gegen Moskau und Teheran. Die Aussichten auf sowjetisch-amerikanische Verhandlungen über Mittelstreckenraketen schwanden. Die Ratifizierung von Salt II stand in den Sternen. Die Konfrontation mit der Sowjetunion, von Brzezinski fast immer voll und ganz unterstützt, wurde zu einem vorrangigen Thema in dem aussichtslosen Versuch, Ronald Reagan zu übertrumpfen.

Helmut Schmidt war dagegen darauf bedacht, die Vorteile aus der Entspannungs- und der Ostpolitik für die Bundesrepublik zu wahren. Mit seiner Reise nach Moskau im Juni 1980 – die er trotz Carters Mißfallen antrat – demonstrierte er, daß man mit den Sowjets verhandeln kann und muß. Der Erfolg seiner Reise festigte seinen Ruf als Staatsmann und verhalf ihm zu seinem Wahlerfolg vier Monate später.