Die Anhörung des amerikanischen Notenbankpräsidenten Paul Volcker vor dem Bankenausschuß des Senats in Washington hat keine Anzeichen für eine Änderung der „leicht restriktiven“ amerikanischen Kreditpolitik ergeben. Im Gegenteil – einige Broker stellen sich auf eine Anhebung der Zinssätze ein. Das würde möglicherweise zu einem weiteren Anstieg des Dollars gegenüber der Mark führen. Ob dann die Bundesbank ihrerseits zinspolitische Schritte unternehmen wird, ist eine in den Börsensälen viel diskutierte Frage.

Es ist verständlich, wenn sich unter diesen Umständen die institutionellen Anleger vom Rentenmarkt weitgehend zurückgezogen haben. Vom Publikum ganz zu schweigen, das schon seit längerer Zeit nur schwer für den Erwerb festverzinslicher Papiere begeistert werden kann.

Als zusätzliche Belastung kam in den vergangenen Tagen die brasilianische Finanzkrise hinzu, von der zwar alle Bankiers glauben, daß sie gelöst werden wird, weil sonst das westliche Bankensystem zusammenbrechen würde. Dennoch hat es Leute gegeben, die sich „um jeden Preis“ von ihren auf Mark lautenden brasilianischen Anleihen lösen wollten und es auch getan haben. Auf der ermäßigten Basis kam für diese Emissionen wegen der bei ihnen sensationell hohen Renditen Kaufneigung auf. Wegen der vielen Fragezeichen, die auch jetzt noch über der Brasilien-Sanierung schweben, war sie allerdings nicht gerade stürmisch. Hier liegen noch Kurschancen, sobald der Internationale Währungsfonds die für Brasilien reservierten Kredite tatsächlich überwiesen hat.

Inwieweit der Aktienmarkt durch die herrschende Zinsmisere in Mitleidenschaft gezogen werden wird, ist in den Börsensälen strittig. Das hängt im wesentlichen davon ab, ob die Ausländer ihre Käufe deutscher Aktien fortsetzen. In letzter Zeit war davon nicht mehr viel zu spüren.

Aber die Ausländer verkaufen auch nicht. Das taten in den letzten Tagen lediglich die sogenannten „Mitläufer“; sie realisierten die teilweise beträchtlichen Kursgewinne, oftmals von ihren Banken dazu aufgefordert. Da es andererseits Leute gibt, die an eine Fortsetzung der Aktien-Hausse im Herbst glauben, blieben bislang nennenswerte Kurseinbußen aus. Enttäuschungen gab es lediglich bei einigen Maschinenbau-Aktien. K. W.