Trotz der wieder gestiegenen Zinsen in der Bundesrepublik und trotz des festen Dollar erwiesen sich die deutschen Aktien bislang als bemerkenswert widerstandsfähig. Zwar ist die große Kaufwelle aus dem Ausland abgeebbt, aber noch reichen die aus der inländischen Kundschaft eintreffenden Aufträge aus, um das erreichte Kursniveau zu stabilisieren. Auch fallen Kaufanregungen der Banken jetzt auf fruchtbaren Boden.

Ein Beispiel dafür sind die Degussa-Aktien. Sie erreichten in diesen Tagen neue Höchstkurse. Zu verdanken haben sie dies dem Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann, der bleifreies Benzin früher als bisher angenommen in der Bundesrepublik einführen will. Da Degussa in der Entwicklung der Abgas-Katalysatoren für Motoren, die mit bleifreiem Benzin auskommen, eine führende Position einnimmt, entsteht ein Ertragspotential, von dem viele Börsianer meinen, daß es auch in den jetzt erreichten Kursen von 400 Mark noch nicht ausreichend zum Ausdruck kommt.

Umweltschützer Zimmermann trug auch zur Hausse den Autoaktien bei. Die Masse der deutschen Autobesitzer wird sich bis 1986 – danach gibt es für Neuwagen nur noch „bleifreie“ Motoren – weitgehend mit den preiswerteren und leistungsfähigeren alten Modellen eindecken, die während einer längeren Übergangszeit noch gefahren werden können. Das stimuliert den Inlandsabsatz der Autofabriken. So jedenfalls die Meinung vieler Börsianer, in deren Augen Autoaktien immer noch als billig gelten.

Als „Ausreißer“ erwies sich in den letzten Tagen der Preussag-Kurs. Der bisherige Geschäftsgang des Unternehmens rechtfertigt die ungewöhnliche Aufwärtsbewegung sicherlich nicht. Der Ertrag je Aktie dürfte nach den Schätzungen der Experten sogar gegenüber 1982 zurückgehen, ohne allerdings die Dividende von zuletzt acht Mark zu gefährden. Was die Preussag für spekulative Anleger interessant macht, ist die Verbindung der Gesellschaft zu „Rohstoffen“, genauer gesagt zu Metallen, deren Preis bei fortschreitender Konjunkturbelebung anziehen müßte. Möglicherweise denken so auch einige der neuen Rohstoff-Fonds, die Preussag-Aktien kaufen sollen, um auch deutsche Papiere in ihren Sondervermögen vorweisen zu können. K.W.