Ernst-Günter Plutte, Präsident des Gesamtverbandes der Textilindustrie und bekannt als Liebhaber scharfer Worte gegen „die marode Regierung Schmidt-Genscher“ (Plutte), freute sich auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Nordbayerischen Textilindustrie über die Bonner Wende, die auch ihm wieder Zutritt zu den Regierenden in Bonn verschafft habe. Plutte berichtete seiner Klientel, daß er erst kürzlich bei Bundeskanzler Helmut Kohl vorgesprochen habe (Plutte: „Es war übrigens seit Konrad Adenauer das zweite Mal, daß der Gesamttextilpräsident vom Bundeskanzler empfangen wurde“).

Bei dem Besuch in Bonn hat der Präsident sich nicht mit dem Austausch von Höflichkeiten begnügt. Nach eigenen Worten hat er auch die neue Regierung kritisiert, und zwar wegen ihrer Steuerpolitik. Plutte: „Von dieser Steuerpolitik, so habe ich dem Bundeskanzler bedeutet, würden viele bedacht, aber niemand beflügelt, schon gar nicht die mittelständische Industrie.“

Außerdem beklagte Hütte beim Kanzler, daß dessen Politik der „Abkehr von der Gefälligkeitsdemokratie schon wieder ins Stocken geraten“ sei. Die Entgegnung des Kanzlers, durch die Sparmaßnahmen der Regierung habe er schließlich bereits 30 Millionen Bundesbürgern Verzichte zugemutet, ließ der Textilpräsident nicht gelten. Hütte: „Es bleibt doch aber zu fragen: Reicht das aus, und wo bleiben die anderen 30 Millionen?“

Nordrhein-Westfalens Justizministerin Ingeborg Donepp untersteht zwar die Justiz des Landes und damit auch die Bonner Staatsanwaltschaft, die nun schon seit Jahren im großen Bonner Parteispendenskandal ermittelt und angeblich kurz vor dem Abschluß ihrer Untersuchungen steht. Mit den Steuerrechtlichen Aspekten der Affäre hat die Justizministerin aber, wie irrtümlich in der „Bonner Kulisse“ vom 15. Juli 1983 berichtet wurde, nichts zu tun.

Die steuerrechtliche Seite der Skandale – Steuerhinterziehung und Steuerverkürzung – ist Sache von Finanzminister Diether Posser, dessen ehemaliger Steuerfahnder Klaus Förster die üblen Parteigeschäfte aufgedeckt hat und damit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft überhaupt erst ermöglichte. Förster war später von seinem Bonner Posten abberufen worden, weil man – so Försters Versetzungs-Version – einen für die Bonner unbequemen Ermittler habe loswerden wollen. Försters vorgesetzte Behörde, das Düsseldorfer Finanzministerium, streitet diese Darstellung ab und erklärt die Versetzung als ganz normalen Vorgang. Possers Pressereferentin: „Innerhalb der Verwaltung müssen Versetzungen möglich sein.“ Diese Darstellung wird durch Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster gestützt.

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Günter Grunwald, Generalsekretär der SPD-eigenen Friedrich-Ebert-Stiftung, zusammen mit dem früheren Kanzleramts-Staatssekretär Manfred Schüler Opfer der personalpolitischen Wende bei den von Finanzminister Gerhard Stoltenberg geleiteten Bundesunternehmen – beide haben ihre Aufsichtsratsposten bei den Saarbergwerken verloren – legt Wert auf die Feststellung, daß er den Verlust seiner Aufsichtsratsbezüge sehr gut verschmerzen kann. Grunwald gehört nämlich zu jenen recht seltenen Aufsichtsratsmitgliedern, die ihre Aufsichtsratsbezüge nicht in die eigene Tasche stecken, sondern in Form von Spenden weiterreichen. Grunwalds Saarberg-Spende – 8000 Mark und nicht 45 000 Mark im Jahr – ging immer an die Friedrich-Ebert-Stiftung.