Hamburg

Ein Bergedorfer Alt-Rocker macht wieder Putz. Streifenwagen jagen zum Einsatzort. Als der Rocker auf die Polizisten losgehen will, stoppt er plötzlich, läßt die Fäuste fallen. „Mit Frauen nicht“, sagt er dann, „mit Frauen schlage ich mich nicht.“ Spricht’s, dreht sich um und zieht friedlich von dannen. Einsatz unblutig beendet – dank einer „gemischten“ Streifenwagenbesatzung aus männlichen und weiblichen Polizisten.

Sicherlich ein Einzelfall, daß die bloße Anwesenheit von Frauen Einsätze dieser Art löst. Daß es aber gute Gründe gibt, mehr Frauen in den Polizeidienst einzustellen, hat jetzt ein Modellversuch mit Polizistinnen in Hamburg bewiesen.

Fünf Bundesländer haben Frauen den Weg in die Männerdomäne des Polizistenberufs geöffnet. Allen voran Hamburg, das bereits seit 1945, Frauen im uniformierten Polizeidienst beschäftigt. Eingesetzt waren die WPs (weibliche Polizistinnen) bisher allerdings nur in „frauenspezifischen Bereichen“ wie dem Jugendschutz, die nach Auffassung der männlichen Kollegen ihre besonderen sozialen Fähigkeiten erforderten – ein Grüppchen ohne Stimme und Gewicht.

Im Mai 1980 wurde das anders: Frauen hätten sich auch in anderen Bereichen, wie dem Verkehrsunfalldienst, bewährt, ließ der damalige Hamburger Innensenator Staak verlauten. Gestützt auf positive Erfahrungen aus anderen Ländern wurde ein Projekt gestartet.

Von 1980 an sind 50 Frauen jährlich in den Polizeidienst eingetreten. Ihre „Allround-Verwendung“ im Vollzugsbereich der Schutzpolizei, mit Ausnahme der Bereitschaftspolizei und der Einsatzzüge, sollte getestet werden. Während der Modellphase wurden im letzten Jahr 37 Polizistinnen auf vier ausgewählten Polizeirevierwachen während ihrer Arbeit von der psychologischen Unternehmens- und Behördenberatungs GmbH Forum Z wissenschaftlich begleitet.

Die Frauen haben es nicht leicht: 40 Prozent der von Forum Z befragten männlichen Beamten sprachen sich klar gegen Frauen im Streifendienst aus. Die Tätigkeit sei zu hart Das Bild, das Streifenbeamte von ihrem Dienst haben, ist entstanden durch viele selbst erlebte kritische Einsätze und durch erlittene Verletzungen.