Dialyse-Patienten brauchen beste auf einen Urlaub nicht mehr zu verzichten – im Gegenteil. Die etwa 15 000 Betroffenen in der Bundesrepublik werden von privates Kliniken heftig umworben: mit Gratis-Ferientagen.

Vor zehn Jahren war „Dialyseurlaub“ noch ein Fremdwort. Mittlerweile haben sich jedoch zahlreiche Dialysezentren auf die Betreuung von Feriengästen eingestellt. Die Kosten für die Behandlung (auch im Ausland) übernimmt in der Regel die Kasse.

Von manchen privaten Kliniken wird der Patient gar wie ein König umworben. Da werden Hotelzimmer oder Appartements zu ermäßigten Preisen vermittelt und sogar kostenlose Aufenthalte angeboten. In einem österreichischen Ferienort beispielsweise zahlen Dialyse-Patienten, die zusammen mit ihrem Partner anreisen, für 21 Tage mit Frühstück nur 100 Mark pro Person; wer ohne Begleitperson kommt, übernachtet und ißt für ein Dankeschön. Noch großzügiger zeigt sich ein Zentrum in Kalabrien. Es lockt potentielle Kunden mit „9000 Ferientagen gratis“.

Solche spektakulären Offerten basieren nicht auf purer Nächstenliebe. Der Wettbewerb um den Patienten macht erfinderisch. Schließlich ist das Geschäft mit der Blutwäsche recht lukrativ. Pro Behandlung werden in der Regel 500 Mark und mehr berechnet, obwohl die tatsächlichen Kosten oft erheblich niedriger liegen dürften. Aus den Überschüssen werden die Lock-Offerten subventioniert.

Die möglichen Urlaubsgebiete lassen kaum Wünsche offen. Allgäu und Ammersee, Nord- und Ostsee, Algarve und Gardasee und die Strände und Inseln Spaniens stehen neben anderen zur Wahl. Selbst Kreuzfahrer kommen zu ihrem Recht. Mit der „MS Astor“ ist Ostafrika ebenso machbar wie ein Tora entlang der brasilianischen Küste. An Bord des Traumschiffs befindet sich eine Dialyse-Station mit sechs Betten, und mit von der Partie sind zwei Schwestern, ein Dialyse-Arzt und ein Techniker.

Einen Überblick über das aktuelle Reiseangebot gibt die Zeitschrift Der Dialysepatient (Heft 2/1983), die in den letzten Jahren zu einer Art Urlaubsberater für die Betroffenen avanciert ist. Auf fast jeder Seite findet sich dort ein Inserat, Auch ein Spezialreisedienst wirbt um Beachtung. Dem Inhaber, seit 14 Jahren selbst an die künstliche Niere gebunden, kommen bei der Beratung von Interessenten die eigenen Kenntnisse und Erfahrungen zugute. Nach eigener Auskunft hat er in allen von ihm vertretenen Zentren selbst dialysiert. Zielorte: Malente und Damp 2000, außerdem Feriengebiete in Portugal, Italien und Spanien.

Doch nicht jeder schweift gern in die Ferne. Nach Informationen des Kuratoriums für Heimdialyse e. V., die auf einer 1979 durchgeführten Befragung beruhen, bevorzugt der überwiegende Teil der Kranken einen Urlaub in Deutschland. Ein wichtiger Grund: das große Sicherheitsbedürfnis. Falls einmal Probleme auftauchen, möchte der Patient nah am Heimatzentrum und in Reichweite des vertrauten Arztes sein.