Hörenswsrt

Johann Sebastian Bach: „Triosonaten/Schäbler-Cboräle“. Was 1730 für Bachs Sohn Wilhelm Friedemann recht war, ist für manchen Organisten heute längst noch nicht billig: Die Trio-Sonaten gehören, mehr noch als die Schübler-Choräle, zur „Hohen Schule“ des Orgelspiels: Konturieren völlig unabhängiger Linien in beiden Händen und im Pedal. Darüber hinaus demonstriert auf dieser Platte Ton Koopman an der Orgel der Waalse Kerk in Amsterdam, wie sich die jüngere historisch-kritische Forschung auf die Praxis auswirkt auf einem Instrument, das bislang als eines der am wenigsten beeinflußbaren galt. Koopman kann zeigen, daß durch bestimmte Artikulationen und Phrasierungen auch so etwas wie Dynamik zu erzeugen ist, daß also unsere Einschätzung des Gehörten beinahe im positiven Sinne getäuscht werden kann. Und schließlich wird einem auch bewußt, daß eine ganze Reihe klanglicher Effekte durch den Gegensatz der Manuale/Werke möglich sind, die den Farbenreichtum auch einer kleineren historischen Orgel erkennen lassen. (DGG Archiv 27 42 006, 2 LP) Heinz Josef Herbort

Mark Nauseef: „Sura“. Es gehört zum Konzept dieser Musik, „das Gefühl atmen zu lassen“, also die Komposition so anzulegen, daß die Musik sich dehnen und zusammenziehen kann. Schon der Name „Sura“ will das andeuten, denn er ist aus Partikeln der englischen Wörter für Klang und Atem gebildet. Es gibt in dieser Musik Partien, für die man als Zuhörer einen langen Atem braucht, andere, die einen atemlos machen, nicht zuletzt vor Staunen über die phantastischen Klangbilder, die mit einem zugleich exotischen und hochmodernen Instrumentarium erzeugt werden. Man hört diese eigenartige, schwer einzuordnende, mit Elementen der (indischen) Folklore wie des Free Jazz und seinen hektischen Entladungen versetzte Musik wie eine Folge geheimnisvoller Geschichten. Zu den Musikern um Mark Nauseef gehören unter anderen Joachim Kühn (Klavier, Orgel), Markus Stockhausen (Trompete), Trilok Gurtu (Perkussion). (CMP Records 21 ST)

Manfred Sack

Leo Kottke: „Time Step“. Eine kuriose Kollektion alter und neuer Songs, bei denen der Gitarrist auf alle demonstrative Virtuosität verzichtet und statt dessen mit warmer Bariton-Stimme leicht sentimentale Country-Balladen singt und sich als Geschichtenerzähler in der Nachfolge des großen Hank Williams versucht. Einzige Konzession an seine Fans ist das Virtuosen-Schaustück „Mr. Fonebone“, eines jener Lieder ohne Worte auf,der zwölfsaitigen Gitarre, mit denen der Fahey-Schüler vor vielen Jahren auf dem Takoma-Label debütierte. Nicht ganz glücklich, zumindest nicht restlos überzeugend wirkt bei mehreren Songs Emmylou Harris in der Rolle der Harmonie-Vokalistin. (Chrysalis 205 464) Franz Schöler