Die Weltgeltung des deutschen Mathematikers, Verwaltungsbeamten und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) gründet sich darauf, daß er der letzte Optimist (eine Bezeichnung, die für ihn geprägt wurde) des Mittelalters und der erste moderne Denker war.

Er hat nicht nur die Differential- und Integralrechnung entwickelt, sondern er hat auch, seiner Zeit weit voraus, darauf hingewiesen, daß Atome nicht unteilbar sein können, da alles, was Ausdehnung hat, was Raum beansprucht, teilbar sein müsse. Und obwohl er ein frommer Christ und guter Untertan war, hat er die Erde als ein Beinahe-Nichts im Weltall bezeichnet und es für durchaus wahrscheinlich gehalten, „daß es unzählige Erden gibt, von derselben und noch größerer Ausdehnung als die unsrige, und daß diese ebensowohl Anspruch auf vernünftige Bewohner haben, obgleich es keine Menschen zu sein brauchen“.

Er wollte mit mathematischer Präzision ein philosophisches System schaffen, das alle Fragen des Lebens- und Weltverständnisses beantwortet. Man muß es nicht auf Zeitmangel zurückführen, daß ihm das nicht gelungen ist. In seinem Spätwerk „Theodizee“, das sich im Untertitel selber erklärt als Rechtfertigungs-„Versuch über die Güte Gottes, die Freiheit des Menschen und den Ursprung des Übels“, stellt er eine Grundüberzeugung in zusammenhängenden Argumenten dar, die ihm selber wohl wichtig war, vor allem jedoch Furore machte auch unter Leuten, die sonst nicht so viel über philosophische Fragen nachdenken: Wir leben in der besten aller möglichen Welten!

Voltaire war der Bekannteste unter den Empörten. Gegen die scheinbar alles Menschenleid ignorierende These schrieb er seinen satirischen Roman „Candide“ (1759). Dem Hauslehrer Pangloss bleibt da, von der Syphilis bis zur Folter, nichts erspart. Und dennoch bekennt er am Ende: „Ich bin noch immer derselben Auffassung wie früher, denn ich bin ja schließlich Philosoph. Es würde nicht zu mir passen, daß ich mich verrate. Leibniz kann nicht unrecht haben, und die prästabilierte Harmonie ist das Schönste von der Welt.“

Maximilian Bern, ein deutscher Kabarettist zu Anfang unseres Jahrhunderts, sah das so:

Kritik der Weltschöpfung

Wenn ich der liebe Herrgott wäre,