Von Hanne Tügel

Die alternative tageszeitung beruft sich auf ein Wort aus besten Kreisen, sie wandelt das Zitat des Berliner Bankiers Carl Fürstenberg allerdings um: „Die kleinen Sparer sind dumm und frech – dumm, weil sie fremden Leuten ihr Geld ohne entsprechende Kontrolle anvertrauen – und frech, weil sie dafür auch noch belohnt werden wollen.“ Fürstenberg hatte von Aktionären gesprochen; er ist seit fünfzig Jahren tot – doch der veränderte Satz gilt, so meint die taz, auch heute, denn: Dieselben Leute, die sich gegen Aufrüstung und Umweltverschmutzung, gegen faschistische Militärs und menschenverachtende Diktaturen engagieren, unterstützen mit ihren Spargroschen Panzer und Chemie, Kernkraft, Terror, Folter und Mord! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Folgerichtig werben die alternativen Finanzexperten bei grünen und bunten Sparern, gutverdienenden Lehrern, Ärztinnen und Ingenieuren, für neue Anlagemöglichkeiten außerhalb der etablierten Kreditinstitute. Denn die Aussteiger, von Kritikern wegen ihrer Naivität in Wirtschaftsfragen belächelt, haben inzwischen ihre eigenen Geld-Sammelstellen.

Der bekannteste alternative Sparverein ist das „Netzwerk“, das vor fünf Jahren in Berlin als Fonds für politische und alternative Projekte gegründet wurde. Aus Mitgliederspenden sollen ökologische Projekte, selbstverwaltete Betriebe und politische Initiativen unterstützt werden. Das Symbol ist eine Spar-Wildsau mit einem 10-Pfennig-Stück im Rücken. Viele kleine Groschen, so das Ziel, sollen sich zum großen Geld summieren. Inzwischen gibt es vierzig regionale Netzwerke und Netzwerk-Initiativen im gesamten Bundesgebiet. Das Spendenaufkommen liegt jährlich bei über einer Million Mark.

Dieses Geld fließt als Zuschuß oder Darlehen in Biobäckereien und Zweiradwerkstätten, an Frauennotrufstellen und Stadtzeitungen in der Provinz, an Tagungshäuser und Biogas-Anlagen. Hilfe zur Selbsthilfe – und Tröpfchen auf den heißen Stein. Die Spendengelder allein reichen nicht. Die Netzwerker bitten deshalb bei ihren Mitgliedern auch um Darlehen und Bürgschaften.

Mit dem Erfolg meldete sich auch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, das hinter eifrigem alternativen Geldsammeln das Betreiben unerlaubter Bankgeschäfte vermutete. Die alternativen Ökonomen von Netzwerk Dreyeckland in Freiburg erhielten einen Brief der beamteten Bankaufseher im besten Amtsdeutsch:

„Die Prüfung Ihrer Vereinstätigkeit hat ergeben, daß Sie das Einlagengeschäft und das Kreditgeschäft betreiben. Sie betreiben das Kreditgeschäft, indem Sie Darlehen an Mitglieder des Netzwerkes für bestimmte Projekte zur Verfügung stellen. Sofern Sie Geldbeträge zur treuhänderischen Verwahrung entgegennehmen, betreiben Sie auch das Einlagengescnäft, das dann vorliegt, wenn von mehreren Geldgebern, die keine konzessionierten Kreditinstitute sind, darlehnsweise oder in ähnlicher Weise auf Grund typisierter Verträge Gelder angenommen werden, ohne daß den Geldgebern eine der Art nach bankübliche Sicherheit gestellt wird.“ Noch sei allerdings eine Erlaubnispflicht auf Grund des Umfangs der Geschäfte nicht gegeben, ließ die Berliner Aufsichtsbehörde wissen.