"manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!"

Mit diesem Gedicht Ernst Jandls lädt Hans-Jochen Vogel zu einem Sommerabend ein. Der Fraktionschef hat nämlich in dem Moment, in dem der Kanzler zum Wolfgangsee aufgebrochen ist, den Urlaub beendet. Vogel hat wirklich leicht feiern. Die kleine Abmagerungskur ist vorüber; es hat ihm bestimmt Spaß gemacht, auch aus der Ferne seine Fraktion täglich mit brieflichen Arbeitsaufträgen zu bombardieren, sozusagen als Beschäftigungstherapie.

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"Ob wir den Zeitpunkt für die sommerliche Rast glücklich gewählt nennen sollen?" Mit dieser Frage quält sich Die Welt, seit Helmut Kohl sich für einen Monat nach St. Gilgen am Wolfgangsee zurückgezogen hat. Denn wer, wenn nicht Kohl, könnte verhindern, daß Franz Josef Strauß noch mehr Porzellan zerschlägt? Regierungssprecher Peter Boenisch hat jedenfalls eilig erklärt, ein Bundeskanzler könne sowieso nicht Urlaub machen und habe immer mit Regierungsgeschäften zu tun. Denn ernst ist das Regieren, heiter nur die Opposition.

Vermutlich hat sich deshalb zur gleichen Zeit wie Kohl jetzt auch die ganze Spitze des Kanzleramts aus dem Amt zu Regierungsgeschäften im In- und Ausland zurückgezogen.

Das war zu Helmut Schmidts Zeiten anders, als immer einer von der Spitze des Hauses an Deck sein mußte. Wenn nicht der Kanzler, dann doch möglichst der Kanzleramtschef. Vielleicht reduziert sich der Unterschied zwischen der neuen und der alten Regierung nach Franz Josef Strauß’ ost- und deutschlandpolitischer Bekehrung ohnehin darauf, daß die neue Regierung ein bißchen dilettantischer wirkt als die alte und daß die alte Regierung im Rückblick fleißig erscheint, während die neue Regierung – überhaupt nie Urlaub macht, um mit Peter Boenisch zu sprechen.

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