ZEIT: Die amerikanische Notenbank will, wie ihr Chef Paul Volcker vor dem Bankenausschuß des Repräsentantenhauses bestätigte, bis zum Jahresende eine bescheidene Einschränkung des Geldmengenwachstums durchsetzen. An den Aktienbörsen gab es daraufhin hektische Kursausschläge nach oben, und der Dollarkurs fiel leicht zurück – Reaktionen, als ob jetzt mit einem Sinken der amerikanischen Zinsen gerechnet werden müßte. Sind die Hoffnungen berechtigt?

Köhler: Ich glaube nicht. Mein Eindruck ist, daß die Geld- und Kreditpolitik in den USA von der Zielsetzung und von den Methoden her unverändert bleibt. Der amerikanische Notenbankpräsident hat den geldpolitischen Kurs, der an der Inflationsbekämpfung festhält und gleichzeitig einen Spielraum für Wachstum läßt, in seinem Statement vor dem Kongreß unterstrichen. Dieser Kurs impliziere, so führte Volcker aus, weder eine Zinssteigerung noch eine Zinssenkung. Zinsbewegungen seien von anderen Einflüssen, insbesondere dem Haushaltsdefizit abhängig.

ZEIT: An den Aktienbörsen wurde das anders interpretiert.

Köhler: Die Börsianer haben offenbar, als die ersten Meldungen über das veränderte Geldmengenziel eintrafen, die Entscheidung so gedeutet, als ob es nun zu einer Lockerung der Geldpolitik und damit zu einer Zinssenkung käme. Sie mußten aber bald erkennen, daß die Erhöhung des Geldmengenziels bei, Bargeld plus Girokonten, auf die sie ihre Hoffnung stützten, auf Sonderfaktoren zurückzuführen ist.

ZEIT: Und der Dollarkurs?

Köhler: Der Dollarkurs ist vorübergehend leicht zurückgegangen, als Volckers Aussage vor dem Bankenausschuß bekanntwurde. Am Montag hat er mit 2,6182 Mark wieder ein hohes Niveau erreicht. Das wiederum ist eine Reaktion auf eine falsche Hoffnung: Der Markt hatte erwartet, die Geldmenge in den USA würde zurückgehen, tatsächlich aber hat sie zugenommen.

ZEIT: Noch gibt es keine Anzeichen für eine Verringerung der Haushaltsdefizite in den Vereinigten Staaten, und damit sind wohl auch die Voraussetzungen für niedrigere Zinsen nicht gegeben.