Die „Vermögen“ der Deutschen sind einseitig auf Geldforderungen ausgerichtet. Die Sachwerte, also Aktien, Grundvermögen und Gold, haben einen zu geringen Stellenwert. Ist jetzt die Zeit, den Goldbesitz aufzustocken?

Auf dem internationalen Goldmarkt herrscht Nervosität. Allen Prognosen zum Trotz will der Goldpreis nicht nachhaltig steigen. Er erreichte auf dem Londoner Markt in diesem Jahr zwar schon 513 Dollar je Unze, inzwischen ist er aber wieder auf 425 Dollar zurückgefallen. Von dem Anfang 1980 erreichten Nachkriegsspitzenstand von 850 Dollar ist der Goldpreis noch weit entfernt.

Dennoch glaubt die Gold-Lobby, von Zeit zu Zeit einen Goldpreis von 1000 Dollar voraussagen zu dürfen. Er wird sicher eines Tages erreicht werden, aber nicht in absehbarer Zeit. Im Augenblick ist das Goldangebot immer noch größer als die Nachfrage. Die Schweizerische Kreditanstalt schätzt es in diesem Jahr auf 1290 Tonnen, das sind 70 Tonnen mehr als im Jahre 1982.

Die industrielle Nachfrage (einschließlich Schmuck, Münzen und Medaillen) wird sich voraussichtlich auf 1170 Tonnen belaufen, so daß in die privaten Goldhorte 120 Tonnen fließen müßten, sollte der Markt ausgeglichen werden. Dafür spricht im Augenblick wenig. Denn die privaten Anleger zeigen nur wenig Interesse an Gold, trotz der internationalen Schuldenproblematik, die das westliche Bankensystem an den Rand des Abgrunds geführt hat, und trotz der politischen Krisenherde in Lateinamerika.

Nun stellt sich für uns die Frage, meine verehrten Leser, ob dies nicht der geeignete Zeitpunkt ist, den Anteil des Goldes an den Ersparnissen aufzustocken oder überhaupt mit dem Kauf von Gold in irgendeiner Form zu beginnen?

Das Problem stellt sich besonders für alle, welche die Aktien-Hausse dazu benutzt haben, Kursgewinne zu realisieren, sich aber scheuen, in die Aktien zurückzukehren. Vor einigen Wochen hatte ich angeregt, in solchen Fällen den Erwerb von Immobilienbesitz (in Form von Anteilen an offenen Immobilienfonds) ins Auge zu fassen. Eine andere Alternative wäre nach meiner Ansicht der Golderwerb.

Er mag zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sonderlich attraktiv erscheinen, denn kurzfristig ist mit einem kräftigen Anziehen des Goldpreises sicherlich nicht zu rechnen. Dafür sind die Marktverhältnisse nicht geschaffen. Zu stärkeren Preiserholungen – so die Prognose der schon erwähnten Schweizerischen Kreditanstalt – wird es vor allem sinkender Zinssätze, einer weiteren deutlichen Konjunkturerholung sowie eines deutlichen Wiederanstiegs der Teuerung bedürfen.