Christian Graf von Krockow (Hrsg.): „Brauchen wir ein neues Parteiensystem?“ Die März-Wahlen haben uns schon eine Antwort gegeben, wenigstens eine partielle. Ob sich freilich aus den quantitativen Veränderungen auch qualitative ergeben werden: Dazu sagen die Autoren dieses Buches wenig. Professionelle Beobachter an den Hochschulen und in den Medien denken immerhin unkonventioneller als die Partei-Profis. Wilhelm Hennis geißelt die „Überdehnung des Parteienstaates“; Graf Krockow stellt die Frage, ob „ein System mit wieder mehr und dafür schärfer profilierten Parteien“ nicht angemessener wäre. Da es in Deutschland zur Tradition gehört, erst einmal in die Vergangenheit einzutauchen, wo in die Zukunft geschweift wird, betrachten Rolf Zundel und Ralf Dahrendorf Bonn erst einmal im Weimarer Spiegel. Beide kommen zu dem beruhigenden Befund, daß nicht alles Weimar ist, was bunt ist. Von Peter Glotz weiß man, wie unbeweglich die großen Partei-Tanker sind. Sollten diese weiterhin einen bürgerfernen Kurs steuern, dann wird ihre Integrationskraft und auch ihre Repräsentationskraft noch weiter schwinden. (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1983; 205 S., DM 9,80) Bernd Rudolph