Weil doch Straftaten nach zehn Jahren verjähren, mußte man schon fürchten, die Schuld an der Milliarden-Pleite des Bankhauses Herstatt – der Zusammenbruch war 1974 – werde ungesühnt bleiben. Aber nun gibt es schon das zweite Urteil. Das erste im Frühjahr traf zwei freie Devisenhändler und einen der Bank. Das zweite gilt jetzt vier jungen Devisenhändlern der Bank. Das Gericht beurteilte die verbotenen Devisenspekulationen milde; hatten die doch als Verführte nach dem Motto gehandelt: wie der Herr, so’s Gescherr.

Die Urteile lassen hoffen, daß die Akte Herstatt befriedigend geschlossen wird, zumal auch der weitere Prozeß mit den Beteiligten aus der oberen Etage des illustren Bankhauses gut steht. Vielleicht erweist sich sogar das Vorurteil „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“ am Ende als falsch. Denn der wegen dauerhafter Krankheit aus dem Prozeß entlassene Bankchef Iwan D. Herstatt soll doch noch auf die Anklagebank, weil es mit seiner Krankheit nicht weit her ist.

Sogar der ehemalige Mehrheitsaktionär der Bank, Hans Gerling, soll sich nicht länger mit Kranksein herausreden dürfen. Er soll, so entschieden die Richter, nun vor Gericht, allerdings als Zeuge. Bisher hatte sich das Gericht an seinen zweiten Butler halten müssen. hff