Von Aloys Behler

Wer mit dem fliegenden Boeing-Teppich der Yemen Airways in Sana’a landet, fühlt sich erst mal wie zu Hause. Der Flughafen, weit draußen vor der Stadt, hat viel geradlinig Deutsches, Bonner Projekthilfe beim Ausbau hat ihre Spuren hinterlassen. Im Karawanserei-Gewimmel der neuen Abfertigungshalle verliert sich freilich die rechtwinklig germanische Ordnung, und die Krummdolche in den Gürteln der Zöllner sind schließlich überzeugend – wir sind im tiefsten Orient.

Auf der nächtlichen Fahrt nach Sana’a schieben sich rechts und links der staubigen Straße die Rohbauten einer flüchtigen Konjunktur ins Scheinwerferlicht. Neue Häuser wurden hier eilig hochgezogen und eingefriedet von schmucklosen Mauern. Die Überweisungen jemenitischer Gastarbeiter aus dem reichen Nachbarland Saudi-Arabien sind hier zu Stein geworden.

Eckhard Emmel, Beauftragter des Deutschen Entwicklungsdienstes in der Arabischen Republik lernen, unser Gastgeber, fährt langsam an Straßenkreuzungen heran und schaltet die Innenbeleuchtung des Wagens ein, als wir uns Sana’a nähern. Die Sperrstunde, ist seit dem Bürgerkrieg nicht wieder aufgehoben worden, und die Kontrollposten sollen sich von unserer Harmlosigkeit überzeugen können. Mit einem freundlich gemurmelten „Salem aleikum“ geht’s weiter. Es sind manchmal ganz junge Leute, zwölfjährige Burschen, die da mit der Kalaschnikow auf der Kreuzung stehen. Sie wollen ihren Wehrdienst möglichst bald hinter sich bringen, weil sie erst dann als Gastarbeiter nach Saudi-Arabien ausreisen dürfen.

Was die Dunkelheit einigermaßen zudeckt, enthüllt die Sonne des nächsten Tages: Sana’a, Perle des Orients, ist nicht die sauberste Stadt. Mit einem Straßenbesen oder einer Mülltonne kann man offensichtlich keinem Jemeniten eine Freude machen. Knöchelhoch lagert stellenweise der Unrat. Die Abfuhr ist organisiert, Container sind überall aufgestellt – „aber reinwerfen tun sie nichts“, hatte schon der bayrische Mitreisende im Flugzeug geseufzt. Es stellte sich heraus, daß er Unternehmer in Sachen Straßenreinigung war, gerade dabei, seine Zelte in Sana’a abzubrechen.