Im Golf-Krieg hat die iranische Armee eine neue Front eröffnet, im Norden des Grenzgebiets zum Irak. Die Truppen Chomeinis bedrohen damit unmittelbar das Erdölgebiet im Nordosten des Irak.

Teheran will offenbar ein Gegengewicht zur irakischen Bedrohung des iranischen Erdölhafens Charg schaffen, nachdem der irakische Außenminister Tarek Aziz erklärt hatte, sein Land sei entschlossen, „die Öl- und Wirtschaftsinteressen des Irans im Golf zu bedrohen“. Der iranische Außenminister Velayati reagierte darauf mit einer Gegendrohung, die gleich alle arabischen Golfstaaten einschloß: „Wenn dem Export unseres Erdöls irgendwelche Schwierigkeiten gemacht werden, wird kein Land der Region mehr sein Erdöl exportieren können.“

Oberkommandierender der iranischen Landstreitkräfte ist der 39jährige Oberst Ali Sayad Shirazi. Aus einem unbekannten Hauptmann, der sich in grausam blutigem Kampf gegen die „Konterrevolution“ in Kurdistan seine Sporen verdiente, wurde der Heereskommandeur im Golf-Krieg.

Auf dem unter dem Schah errichteten Lavazin-Stützpunkt im Nordosten Teherans gewährte Shirazi vor der jüngsten Offensive in einer surrealen Kulisse von Chomeini-Plakaten und verstaubendem Schah-Plüsch, von Revolutionsparolen und abgetakeltem imperialem Pomp der ZEIT ein seltenes Interview.

ZEIT: Ist im Golf-Krieg zwischen Iran und Irak Frieden in Sicht?

Shirazi: Wir führen Krieg, weil wir uns für eine Politik wahrhafter Unabhängigkeit entschieden haben, zu einem Islam ohne Ost oder West. Wir kämpfen gegen die Feinde des Islam. Der Krieg ist daher, nicht zu stoppen, bis wir unsere Gegner vernichtet haben, bis zum Endsieg. Unser Ziel ist klar: Den Söldner Saddam Hussein in die Knie zu zwingen.

ZEIT: Genügt dazu ein Abnützungskrieg, oder sind weitere iranische Großoffensiven nötig?