Meißner Porzellan: ist es nicht immer "ein Schreibzeug, wo ein Chineser auff eint Polster sitzet, den Kopf in die Höhe haltend, als wenn er sänge, hinter ihm eine Nimpffe" - Kaendler Staffage von anno 1767. MeiBen als barokkes Lebensgefühl, Apotheose des feudalen Dixhuitieme: farbiger Abglanz im kleinen Modell. MeiBen als Weltanschauung, noch heute. Die volkseigene DDR Manufaktur richtete im Vorjahr dem Nacherfinder des "Weißen Goldes" Johann Friedrich Böttger zum 300. Geburtstag eine opulente Museumsschau ein; ihr schrieb der geniale Sachse das Wort, als er die menschliche Begierde nach dem Entbehrlichen meinte: "erstlich die Schönheit, zum anderen die Rarität, und drittens die mit beyden verknüpfte Nutzbarkeit. Solche drey Qualitaeten machen eine Sache angenehm, kostbar und nöthig Aber ach! zerbrechlich sind Porzellanträume. Wo moderne Meißner Atelierkunst den Begriff "genuine Noblesse" unter die gekreuzten blauen Schwerter graviert, erscheinen Sprünge auf großen bemalten Vasen, peinlich kunstgewerblichen Wandtellern, Kachelbildern und orientalisierendem Nippes. Auch der Kitsch bedarf seiner Jahrhundertpatina. Luxus, nach Voltaire "chose toujours tres necessaire", das Unentbehrliche, das allerdings bietet die so hübsch vor Wiedergaben zeitgenössischer Gemälde arrangierte Werkschau: über 300 Objekte, Service, reich an "Mahlerey" und Golddekor, Balustervasen, Tierplastik, weiß, wie mit Milch übergössen, Biskuitgötter, in Winckehnanns Augen "lächerliche Puppen", Schmuckschatullen, Kandelaber, antikisierende Pokale, manch Fernöstliches, Porträtbüsten; Goethe en miniature neben drei umschlungenen Grazien vor Rottmanns Ansicht von Cefalü postiert. Klassizismus, Historismus, seine Sterilität mit Überladenheit kaschierend, Jugendstiliges, die Nixe aus der Welle herauswachsend und Spätwilhelminisches: Modedamen, vor der Brandung von Westerland um ihre Hüte fürchtend (A. König, 1911). Die vorher in Wien gezeigte Ausstellung wurde für Köln um 60 Arbeiten von Paul Scheurich erweitert - der geniale Beruher Modelleur (1883 1945) bildete aus nachempfundenem Klassizismus und Rokoko seinen eigenen, mit Art deco verschmolzenen Stil. Hier nun seine schönen, graziösen, überlangen Mannequins, wie aus Vogue 1930 ausgeschnitten, Biedermeierfigurinen in Tanzpose, das Russische Ballett mit Nijinsky als Bajazzo und daneben Chinoiseriezitate - all das in seiner artistischen Heiterkeif anknüpfend an die feudalistische Idee vom Ursprung - auch des Kunstwerks, im Spiel (Kunstgewerbemuseum im WallrafRichartz Museum bis 2. Oktober, Katalog 25 Mark) Ursula Voß seen Preußischer Kulturbesitz, Skulpturengalerie bis 23. 10, Katalog 20 Mark) bis 28. 8, Katalog 25 Mark) manisches Nationalmuseum bis 13. 11, Katalog 25 Mark)