ARD, jeweils am Montag, ab 1. August, 17.20 Uhr: „Der Trotzkopf, Spielserie in acht Teilen nach dem Roman von Emmy von Rhoden.

Für fünf Millionen Mark hat der Bayerische Rundfunk aus dem zählebigen „Trotzkopf“ (1885) eine achtteilige Kostümstück-Serie fertigen lassen, die das Backfisch-Buch kongenial in Fernseh-Langeweile überträgt. In Ringellöckchen und Rüschen gerahmt, trampelt Trotzkopf telegen treppauf, treppab. Schmollt, gackert und tollt über endlose Flure eines Mädchen-Pensionats, in das die Eltern ihr „ungebärdiges“ Kind gesteckt haben. Dort knallt es Türen zu und Strick-Körbchen an die Wand, küßt schwärmerisch die fischäugige Freundin Nellie und schmeißt sich unzählige Male tränenüberstömt aufs fein bestickte Leinen.

Für die Hauptrolle hat Regisseur Helmuth Ashley eine Hamilton-Entdeckung ausgesucht (Anja Schüte), die ihr filmisches Debüt in dem erotischen Film „Zärtliche Cousinen“ gab. Zärtlichkeiten kommen im „Trotzkopf“ erst ab Folge fünf vor. Da ist aus dem Pensionats-Gänschen Ilse, das unartig mit schwarzen Lackstiefeln aufstampft, dank dem Einfluß prüder und bigotter Lehrer-Fräulein eine „Dame“ gemacht worden. Das wird dem Zuschauer durch verzicktgezierte Bewegungen, schnippische Bemerkungen und Turnüre am Modekleid vorgeführt. Heimgekehrt von der erfolgreichen Dressur reitet Ilse im Damensitz über väterliche Ländereien, pinselt Landschaften dick in Öl und wartet auf einen Mann.

Der taucht seriengerecht (Folge 5) in Gestalt eines Assessors auf, heißt Gontrau und sein Papi ist Landrat. Zwar ziert sich der Brausekopf noch ein bißchen („Oh, bitte nicht, Leo!“), aber die kupplerischen Anstrengungen beider Elternteile werden mit standesgemäßer Verlobung gekrönt. Den einzigen dramatischen Höhepunkt der acht Folgen, die eine sterbenslangweilige Aneinanderreihung von Hamilton-Ansichts-Postkarten sind, liefern die Zudringlichkeiten des fettleibigen Referendars Lüders. Aber da hat Trotzköpfchen schon kapiert, daß für eine höhere Tochter, die außer Klavierspiel, Sticken und Tee-Plaudereien nichts Vernünftiges gelernt hat, die Ehe mit einem Beamten, der Karriere machen wird, eine agréable Partie ist.

Die Zuschauer bekommen den mageren Kitsch, das bigotte Geschwafel, reaktionären Plunder, Küsse, Kichern, Schein-Moral und alberne Schicklichkeitsregeln in niedlicher Verpackung serviert. Klammheimlich mitgeliefert werden sämtliche Klischees vom raffiniert-fügsamen Weibchen, das sich als Efeu am starken Mann emporranken darf, auch von der „emanzipierten“ Schalmpe. Wir bekommen eine lackierte Welt vorgeführt; da ist noch alles in Ordnung: da sind Dienstboten noch demütig, und häßliche Weiber bekommen zur Strafe keinen Mann.

Endlich: Emanzipation von der Emanzipation! Ach, die bayerische Botschaft paßt wunderbar in die Trendwende. Ist es nicht die schönste Aufgabe der Frau, Gattin und Mutter zu sein? „Ein Brüderchen! Ein Brüderchen jauchzt Trotzkopf, als sie auf dem Arm der seelenvoll dreinschauenden Stief-Mama ein dickes Baby vorfindet.

Mit den handfesten Trivial-Märchen einer Courths-Mahler (Brecht hat sie gegen den Vorwurf verteidigt, verlogen zu sein, und bezeichnete sie als „die große Realistin“) haben Emmy von Rhodens gezierte Schelmereien, die süßlichen Bürger-Töchter-Träume nichts zu tun. So albern und überflüssig wie die Turnüre am Mode-Kleidchen des zur Dame getrimmten Trotzkopfes ist das traurige Fünf-Millionen-Projekt: ein Wulst zum Aufbauschen eines kläglichen Stöffchens.

Ute Blaich