Der „Krieg“ ist vorbei – der Friede bringt eine neue polnische Teilung. Seit dem 22. Juli ist das Land kein Arbeiter-und-Bauern-Staat mehr. Die Verfassungsänderungen und Notverordnungen, die das Kriegsrecht nach 19 Monaten abgelöst haben, schreiben zum ersten Mal das Privateigentum der Bauern fest. Den Arbeitern aber streichen sie alle Errungenschaften, die Solidarnośč in 17 Monaten erkämpft hatte. Künstler und Kommilitonen werden durch Sondergesetze unter Kuratel gestellt, die Kirche aber behält ihren Freiraum.

Die systembedingte Mißwirtschaft indessen, die ja den Zunder für das große Freiheitsfeuer im August 1980 produzierte, läßt sich durch Sondergesetze nicht aus der Welt schaffen. Deshalb setzen die Kommunisten, die sich vor Proletariern und Patrioten fürchten, in ihrem wirtschaftlichen Notstand optimistisch auf Kirche und Kulaken. Denn ohne sie gäbe es nicht die vom Vatikan angeregte Stiftung für die Modernisierung der privaten Landwirtschaft. Und nach der kosmetischen Operation zur Beendigung des Kriegsrechts kann der Westen Warschaus jährliche Schuldenlast von 3,5 Milliarden Mark leichter stunden. Sollen nun wieder Devisen fließen nach der Devise: alle Gelder dem Generalsekretär, alle Sympathien den betrogenen Massen? Polen zu isolieren wäre unvernünftig. Der Regierung aber auf die Finger zu sehen, statt sie anbiedernd zu loben, ist nicht unmöglich. Form und Ausgang des Prozesses gegen das KOR-Mitglied Adam Michnik und seine Freunde zum Beispiel sollten ein Maßstab für unser Entgegenkommen sein. (Siehe auch S. 8) C. S.-H.