Mit den Fachleuten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte die Bundesregierung schon öfter Kummer. Auch jetzt beurteilen sie die wirtschaftlichen Aussichten hierzulande nicht so zuversichtlich wie Bonn.

Bei immer noch hohen Steuerlasten und nur mäßig steigenden Einkommen könnten die Menschen, so die OECD, gar nicht soviel kaufen, wie die Bundesregierung für ihre optimistischere Prognose annimmt. Das Kürzen der Staatsausgaben sei ein schönes Ziel, aber Bonn solle es nicht übertreiben, sonst werde der Aufschwung abgewürgt, ehe er richtig begonnen hat. Die empfohlene Remedur: Die Steuern schon bald senken.

Aber soll der Verbrauch wirklich um den Preis steigender Haushaltsdefizite und steigender Zinsen angeregt werden? Die Umsätze der Einzelhändler steigen – trotz gebremster Lohn- und Gehaltszuwächse, trotz hoher Steuern. Die Leute sparen eben weniger und greifen auch schon mal auf Ersparnisse zurück. Das haben die OECD-Pessimisten übersehen. Erst muß die Bundesregierung dafür sorgen, daß die Unternehmer wieder Maschinen kaufen oder neue Anlagen bauen, und dann erst darf sie die Steuern senken. Doch getreu dem Motto ihres Lehrmeisters Keynes „In the long run we all are dead“ halten die OECD-Experten nichts von allzu langfristiger Politik.