Die französische Regierung will Entlassungen bei dem Autokonzern verhindern

Von Hans-Hagen Bremer

Man hätte meinen können, es sei Georges Marchais, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs, der da sprach, und nicht Jacques Delors. So ungewohnt radikal klang das, was der französische Wirtschafts- und Finanzminister am letzten Freitag in einem Fernsehinterview sagte, daß zu vermuten ist, dem besonnenen Delors muß wegen der geplanten Massenentlassung im Automobilkonzern Peugeot doch noch der Kragen geplatzt sein. "Haben die Aktionäre ausreichende eigene Anstrengungen unternommen?" fragte der Minister und gab die Antwort gleich selbst: "Während Jahren sind mehr Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet worden, als von ihnen Bemühungen verlangt wurden."

Die harsche Minister-Schelte am Peugeot-Konzern, einem der letzten großen Privatunternehmen Frankreichs, ist das bisher deutlichste Zeichen dafür, daß es im Herbst wegen der gefährdeten 7400 Arbeitsplätze im Werk Poissy bei Paris sowie in den Peugeot-Fabriken von Sochaux, Mühlhausen und Lille nicht nur zu Auseinandersetzungen mit den unruhigen Gewerkschaften kommen wird, sondern daß auch ein Konflikt mit der Regierung unausweichlich erscheint.

Als "echtes nationales Unglück" bezeichnete das Pariser Nachrichtenmagazin L’Express die Pläne der Konzernleitung, deren Bekanntgabe für die Regierung zum denkbar "schlechtesten Zeitpunkt" kam. Tatsächlich hatten die letzten Arbeitslosenzahlen vom Monat Juni erstmals den in den vergangenen Monaten beobachteten Trend einer zwar schwachen, aber doch stetigen Abnahme der Zahl der Job-Suchenden vermissen lassen.

Die Entscheidung des Peugeot-Konzerns, laut L’Express die "schwerwiegendste in der Geschichte der französischen Automobilindustrie", verleiht den düsteren Prognosen einer vom Herbst an dramatisch wachsenden Arbeitslosigkeit Wirklichkeitsnähe. "Mit der Automobilindustrie", so L’Express, "ist die Lunge der französischen Wirtschaft betroffen."

Schwere Verluste