Jede Revolution, so wußte schon Hegel, durchlebt die „Raserei des Eigendünkels“, wo Terror als Tugend herrscht. Freilich sind Furcht und Schrecken kaum je derart überschwenglich verherrlicht worden wie im Teheran der islamischen Republik, amnesty international hat kürzlich berichtet, daß mindestens 20 000 vermeintliche und tatsächliche Regimefeinde seit 1980 der Blutjustiz zum Opfer gefallen sind: Sozialrevolutionäre Volksmudschaheddin, Anhänger Bani-Sadrs und der kommunistischen Tudeh-Partei, kurdische Widerständler, Gläubige der Bahai-Sekte – Gottesfeinde allemal, so lautet die grausame Revolutionsmoral, die gequält werden, um Allahs Zorn zu mildern. Hinrichtungen als Volkspädagogik.

In der vorigen Woche hat der Henker im südiranischen Schiraz fünf Schülerinnen im Alter zwischen vierzehn und neunzehn Jahren umgebracht, weil sie den Volksmudschaheddin nahegestanden haben sollen. Schlimmer noch: Sie hätten sich geweigert, ihre Schuld vor der Fernsehkamera willig zu bekennen. Ehe sie hingerichtet wurden, sollen sie barbarisch gefoltert worden sein, amnesty erklärt, daß junge Mädchen vergewaltigt werden, bevor sie ihrem Henker übergeben werden. Der Islam verbietet es, Jungfrauen zu liquidieren.

Wo so viel Sadismus und Fanatismus waltet, da ist wenig Aussicht, daß der blindwütige, gottesselige Terror rasch abebbt. Die Mordlust – der Revolution eingeboren? Im Iran, so schrieben Teheraner Zeitungen, sind die Gefängnisse überfüllt, und sie müßten endlich geleert werden. -rl