Die Bundesregierung ließ ihren Verteidigungsminister im Stich

Von Hans Schueler

Washington, im Juli

Manfred Wörner, Verteidigungsminister der christlich-liberalen Koalition, unterscheidet sich von seinem sozialdemokratischen Vorgänger Hans Apel vor allem darin, daß er seinen Job gern tut, während Apel ihn – zumindest während der letzten beiden Jahre vor dem Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt – geradezu haßte. Mit Gesinnung oder parteipolitischem Denken hat dies wenig zu tun, Apel, ungedient, war kein Gegner des Militärs; er erkannte die Notwendigkeit einer wirksamen Landesverteidigung im Rahmen und unter den Bedingungen des Nato-Bündnisses durchaus an. Aber er wurde dabei in seiner eigenen Partei immer einsamer, wie zuvor schon Georg Leber; die Tornado-Krise traf ihn überraschend, obwohl sie ihn nicht hätte überraschen dürfen – in einer resignativen Stimmungslage, die ihn Warnungen und Sturmzeichen überhören ließ.

Sein Nachfolger Wörner, Reserveoffizier der Luftwaffe und gleichwohl kein Militarist, hat das Amt auf der Hardthöhe unter weitaus ungünstigeren Vorzeichen angetreten als Hans Apel – unter dem gewaltigen Kostendruck der von den Sozialdemokraten auf den Weg gebrachten oder vollendeten Beschaffungsvorhaben für die Bundeswehr – Tornado, Alpha-Jet, Kampfpanzer Leopard II, Panzerabwehr-Hubschrauber, neue Fregatten für die Marine – und in der Erwartung eines Verteidigungshaushaltes für 1984, der, gemessen an wirklicher Kaufkraft, der knappste seit dreizehn Jahren (ausgenommen 19 77) sein wird. Hinzu kommt die für den Herbst drohende innenpolitische Auseinandersetzung um den Beschluß zur europäischen Nachrüstung mit Mittelstreckenraketen und Marschflugkörpern.

Bei alledem wirkt Wörner mehr als ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt noch immer gelöst, sein Optimismus nicht nur zur Schau getragen; die Spuren eines Zwölf-Stunden-Arbeitstages sind ihm kaum anzumerken.

Widersprüche und Mißhelligkeiten