„Ihr schickt spanische Gastarbeiter nach Spanien – warum sollen wir nicht deutsche Gastarbeiter nach Deutschland schicken?“ Nach diesem Motto, so Alexander Paschkes, Präsident der „International Federation of Tour Operator“ (IFTO), erschweren oder verweigern spanische Behörden die Arbeitsbewilligungen für ausländische Reiseleiter.

Vom nächsten Jahr an, so kündigte das spanische Touristikministerium an, werde man den einheimischen Kräften vor ausländischen Reiseleitern den Vorzug geben – ein Versuch, die Arbeitslosigkeit im Land einzudämmen. Die IFTO warnte die spanischen Verantwortlichen jedoch vor den Folgen dieser Anordnung: Urlauber wollen einen Reiseführer, der ihre Sprache spricht, ihre Mentalität versteht. „Der Reiseleiter ist unverzichtbarer Bestandteil einer Pauschalreise.

José Felix Vizan, der spanische Fremdenverkehrsdirektor in Hamburg, hält die Aufregung freilich für übertrieben: „Unsere Reiseleiter sind geprüft und nicht schlechter als die ausländischen Kräfte, die oft nichts von unserer Kultur, unserer Mentalität verstehen.“ Außerdem sei es doch für einen Urlauber reizvoller, wenn er von einer engagierten Spanierin die Kathedralen, Burgen oder Bodegas gezeigt und erklärt bekomme. „Ein Gewinn für die Ferien.“

In der Branche wird jedoch bezweifelt, daß die Spanier genügend qualifizierte Reiseleiter auf die Beine stellen können. Wichtigstes Argument: Die Spanier beherrschten nicht die Sprachen der Gäste aus Skandinavien, den Niederlanden, aus England oder Deutschland.

Der IFTO-Präsident meint sogar: „Es ist doch etwas anderes, wenn ein deutscher Gast auf die Frage, wo es ein gemütliches Café gibt, die Adresse von einem Landsmann erfährt, als von einem Spanier. Der hat doch eine ganz andere Auffassung von einer gemütlichen Kaffeestube.“

Allen Warnungen der IFTO zum Trotz erschwert oder verweigert man bereits für diese Saison ausländischen Reiseleitern die benötigten Stempel für die Arbeitspapiere, Paschkes weiß gar von Schikanen einiger örtlicher spanischer Behörden zu berichten.

In Griechenland, im Gegensatz zu Spanien bereits Mitglied in der Europäischen Gemeinschaft (EG), werden einheimische Führer allein für „archäologische und historische Informationen der Touristen“ eingesetzt. Grundsätzlich aber könne jeder Reiseveranstalter und jedes Reisebüro die für die „jeweilige Arbeit erforderliche Anzahl von eigenen Reiseleitern beschäftigen“, teilte die Griechische Zentrale für Fremdenverkehr nach langen Querelen jetzt klipp und klar mit: „Niemand zweifelt in Griechenland daran, daß Arbeit und Aufgaben der ausländischen Reiseleiter einen wichtigen Beitrag zur problemlosen Aufnahme und Betreuung aller Gäste leisten.“ Siggi Weidemann