Unter Kanzler Helmut Schmidt, so erzählt Günter Hartkopf, sei er oft ab Staatssekretär belächelt worden, der „in der Seppl-Hose Blümchen pflücken geht“. Dreizehn Jahre lang war Hartkopf im Innenministerium für Umweltpolitik verantwortlich. Alle wichtigen Entscheidungen aus dieser Zeit tragen seine Handschrift – vom umweltpolitischen Sofortprogramm von 1970 über das Benzin-Bleigesetz und die gerade in Kraft getretene Abgasvorschrift für Kohlekraftwerke.

Als der jetzt 60jährige FDP-Beamte, der unter Genscher, Maihofer, Baum und Zimmermann diente, in diesem Frühjahr aus „allgemeinpolitischen Gründen“ seinen Abschied einreichte, bedauerten das viele Umweltschützer, da seine fachliche Kompetenz die Ausgestaltung der deutschen Umweltpolitik sehr positiv beeinflußt hatte.

Trotzdem, der Beamte hat das Thema Umweltschutz noch nicht ganz zu den Akten gelegt. Nicht nur, daß er an der Kölner Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung weiterhin Vorlesungen über sein Fach hält. Vor einigen Wochen erschien auch der erste Band seines Buches über Umweltpolitik, das er zusammen mit Eberhard Bohne, einem Mitarbeiter aus dem Bundesinnenministerium, schrieb. Es strotzt vor nützlichen Informationen. Bisher gibt es in der deutschen Umweltliteratur zwar viele Fachbücher, die den Umweltschutz unter spezifischen technischen oder ökonomischen Aspekten abhandeln. Es gibt auch eine Reihe allgemeiner Werke, die allerdings meistens stark ideologisch angehaucht sind. Was bisher fehlte, war ein breit angelegtes sachliches Kompendium über alle Sparten und Probleme der deutschen Umweltpolitik – ein Lehr- und Handbuch für Studenten und Praktiker. Genau diese Lücke füllen Hartkopf und Bohne mit ihrem Buch. Besonders interessant ist dabei, daß sie nicht nur die hehren Ziele des Umweltschutzes beschreiben, sondern auch auf die Grenzen einzelner Maßnahmen eingehen. Schließlich haben beide Erfahrungen aus erster Hand gesammelt.

Im ersten Band der „Umweltpolitik“ wird eine breite Bestandsaufnahme vorgelegt – mit Karten über Luft- und Gewässerverschmutzung illustriert. Weitere Themen: Ethische, verfassungsrechtliche und wirtschaftspolitische Grundlagen der Umweltpolitik sowie die Ziele, Akteure und Instrumente, dazu ausführliche Kapitel über Umweltchemikalien, Abwasserprobleme und Abfallwirtschaft – jeweils mit langen Literaturlisten.

Im zweiten Band, der bis zum nächsten Frühjahr fertig sein soll, werden Luftreinhaltung, Lärmbekämpfung, Kernenergie, Naturschutz und die speziellen Probleme beim Vollzug der Umweltgesetze abgehandelt. Damit wäre dann auch alles, was es über Umweltpolitik zu sagen gibt, abgedeckt. Wer hätte bei Politikern eine solche Fleißarbeit vermutet? iml

Günter Hartkopf/Eberhard Bohne, Umweltpolitik, Westdeutscher Verlag 1983