Es hört sich an wie eine Erfolgsmeldung: Die Marktordnung für Stahl ist vom Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft um sieben Monate verlängert worden, über ihr Weiterleben bis Ende 1985 besteht grundlegende Übereinstimmung. Aber in Wahrheit ist es wohl ein Eingeständnis der Ohnmacht, denn immer noch weiß niemand, wie der Stahlmisere Herr zu werden wäre. Also kuriert man mit Hilfe einer Marktordnung an den Symptomen herum.

Dabei ist schon das Wort eine Irreführung, mit Markt hat das alles nichts mehr zu tun: Wo Produktionsquoten zugeteilt und Preise vorgeschrieben werden, da hat der Markt abgedankt. Freilich bedauert das niemand lauter als jene Politiker, die just das Leben der Marktordnung verlängert haben. Aber, so sagen sie, es gehe leider nicht anders.

Da muß man aber fragen, was 1986 geschehen soll, oder auch 1990, wenn es immer noch nicht anders geht. Wird dann die Marktordnung wieder einmal verlängert, oder rafft man sich endlich dazu auf, vom Stahl nur noch das übrigzulassen, was dem Wettbewerb standhält? Das Argument, es gehe um die Sicherung von Arbeitsplätzen in ohnehin strukturschwachen Gebieten, ist allmählich zu abgedroschen. Denn vor sich hinsiechende Unternehmen sind kaum in der Lage, die Struktur einer Krisenregierung zu verbessern. hgk