Für Ihre als freundliche Geste gedachte Wahl möchte ich Ihnen zwar danken, kann sie jedoch nicht annehmen, solange Mitglieder der autonomen und christlichen Friedensbewegung in der DDR polizeilich überwacht und verfolgt werden.

Der österreichische Schriftsteller Robert Jungk in einem Brief an die Ost-Berliner Akademie der Künste, die ihn, ohne ihm davon Mitteilung zu machen, zum korrespondierenden Mitglied gewählt hatte.

Zoff um Zimmermann

Während Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann die Axt an die Fördermittel für Herbert Achternbuschs „Gespenst“ anlegt, versuchte Namensvetter Rudolf Zimmermann, Mitglied des Kleinkunstvereins im bayerischen Bad Wörishofen, den Film in dem Kneipp-Kurort aufzuführen. Das Vorhaben des Gärtners, der einen „Kontrast zum hiesigen Filmangebot“ bringen wollte, stieß auf wenig Gegenliebe. Zwar erklärte sich einer der beiden Wörishofener Kinopächter bereit, seinen Saal für einen Abend zur Verfügung zu stellen; nach der öffentlichen Ankündigung für „Das Gespenst“ traten jedoch der örtliche Klerus und das Stadtoberhaupt in Aktion. Ein Geistlicher kündigte eine „Gebets-Demonstration“ gegen die „Gotteslästerung“ an. Bürgermeister Ulrich Möckel empfahl dem Kleinkunstverein und dem Kinopächter nachdrücklich, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen. Nach weiteren Pressionen auf den Pächter, die in einer anonymen Morddrohung gipfelten, gaben die Veranstalter nach und zeigten einen unverfänglicheren Achternbusch-Film: „Das letzte Loch“. Die SPD-Fraktion im Wörishofener Stadtrat protestierte vergeblich gegen „diesen Fall von Vorzensur“. Für Donnerstag, den 28. Juli, hat der Kleinkunstverein im 90 Kilometer entfernten München ein Kino angemietet, in dem der Film zu sehen ist. Interessenten werden mit dem Bus hingefahren.

Anglikanischer Realismus

Als im März 1896 im Vatikan eine Untersuchungskommission zusammentrat, um das Problem der Gültigkeit der Weihe anglikanischer Priester und Bischöfe zu behandeln, hielten enthusiastische Avantgardisten dies, trotz der Tatsache, daß der erzkonservative Kardinal Mazella den Vorsitz führte, bereits für den Beginn eines ökumenischen Frühlings. Wie die Untersuchungen ausgingen, ist bekannt: Schon am 13. September 1896 erklärte die Bulle ,,Apostolicae curae“ Leos XIII. die Weihen für „ungültig, null und nichtig“. Als kürzlich Johannes Paul II. England besuchte, wurde er mit dem alten Problem zwar konfrontiert, war doch nach Auffassung seines Hauses Erzbischof Runcie nicht einmal gültig geweihter Priester – der Papst war Diplomat genug, nicht an die Wunde zu rühren. Nun kommt neuer Sand ins Getriebe der zwischenkirchlichen Aussöhnung: Das unlängst verkündete und rechtskräftig gewordene neue kirchliche Gesetzbuch erklärt wie seit Jahrhunderten die Ehe für unauflöslich und konsequenterweise die neue Ehe eines (vor dem bürgerlichen Richter) Geschiedenen für nicht möglich – das Kirchenparlament der anglikanischen Church of England hat jetzt seine jahrhundertelange Tradition umgestoßen und die kirchliche Trauung Geschiedener zugelassen, wobei die Generalsynode den Segen zum Ja-Wort von einem bischöflichen Gremium anhängig macht, dem die Heiratswilligen sich zu stellen haben. Nur merkwürdig: so recht ist das neue Recht noch nicht – die Neuerung tritt (voraussichtlich) erst nächstes Jahr zu Ostern in Kraft. Ob Heinrich VIII. wohl so lange gewartet hätte? Und: Steht nun zu erwarten, daß manch ein Katholik „konvertiert“? Daß eventuell Kontinental-Katholiken nach England auswandern? Oder daß sogar Rom – nein, das ist auch 450 Jahre danach nicht zu befürchten.

Pazifist der ersten Stunde