Umsiedlungspolitik

Der südafrikanische Staat hat in den letzten 22 Jahren 3,5 Millionen Menschen – davon über 75 Prozent Schwarze, die übrigen sind Inder und farbige“, also Mischlinge – zwangsweise umgesiedelt. Mit quantitativem Erfolg: Über die Hälfte der schwarzen Bevölkerung wohnt inzwischen in den „Homelands“, denen die Republik eine international nicht anerkannte Unabhängigkeit gewährt. Nach der jetzt erschienenen Studie einer Forschergruppe aus Kapstadt führt die Umsiedlung oft unmittelbar zur Verelendung der Betroffenen. Das gilt vor allem für das weithin unfruchtbare große Homeland Ciskei. Es gehört aber zum Homeland-System, daß die „Bürger“ dieser Pseudostaaten zur Arbeit in der Südafrikanischen Republik gezwungen sind. Die staatlichen Gesellschaften, in deren Händen sich das wirtschaftliche Potential der Gebiete konzentriert, haben zwischen 1960 und 1980 nur 150 000 Arbeitsplätze geschaffen.

Zum Heulen (I)

Unberührt zeigen sich die islamischen Revolutionäre im Iran von den weltweiten Protesten gegen die blutige Unterdrückung der Bahai. Nur auf Grund ihrer abweichenden religiösen Überzeugung werden immer wieder Bahais von iranischen Gerichten zum Tode verurteilt; Frauen und Jugendliche befinden sich in großer Zahl unter den Hingerichteten. Die Bahai sind eine im 19. Jahrhundert im Iran entstandene Religionsgemeinschaft, deren Stifter die Offenbarungen Mohammeds und der anderen großen Religionsstifter der Welt in seiner Lehre zu vereinen suchte. Eine der beiden Mullah-Fraktionen, die sich heute die Herrschaft im Iran streitig machen, entstand als Kampfgruppe gegen die Häresie der Bahai. Die Strenggläubigen werfen der kleinen Minderheit zu allem anderen „Zionismus“ vor – weil der Führer der Bahai Ende des 19. Jahrhunderts vor iranischer Verfolgung ins damals noch türkisch beherrschte Haifa floh und dort in einem prächtigen Mausoleum begraben ist.

Zum Heulen (II)

Der Ajatollah Chomeini hat der Expertenversammlung der Islamischen Republik sein Testament übergeben. Die 69 geistlichen Herren, denen die Aufsicht über die islamische Rechtmäßigkeit des Handelns von Regierung und Parlament obliegt, sollen nach Chomeinis Tod über die Nachfolge des Revolutionsführers entscheiden – oder über die Frage, ob der Revolutionsführer überhaupt einen Nachfolger haben soll. Das etwa 30seitige handschriftliche Papier, das Chomeini jetzt übergeben ließ, wurde vor den Augen der Mullahs eingepackt, mit Bändern in den iranischen Farben grün, weiß und rot umhüllt und mit Wachs versiegelt. Bis zum Tode des Ajatollah soll es verpackt bleiben. Der Gedanke an dieses Ereignis ließ viele der religiösen Revolutionäre weinen, aber das war nicht unerwartet. Umsichtige Helfer hatten Schachteln mit Papiertaschentüchern bereitgestellt, die die Runde machten, während Chomeinis letzter Wille verpackt und versiegelt wurde.