Baden-Baden

Ein Typ wie Konrad Adenauer, das wäre für viele immer noch ein Traum. Vielleicht sollte er zeitgemäß noch ein paar Eigenschaften des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt haben, dann wäre wohl eine überwältigende Mehrheit für ihn.

Solcherlei Kreuzung ist vorstellbar, wenn man auf dem Weltrosenkongreß in Baden-Baden die dunkelrote Konrad Adenauer und die gelbe Helmut Schmidt vergleicht. „Konrad Adenauer“, eine kräftige Rose, stark duftend, von ihm 1950 hier getauft, immer noch eine beliebte Sorte nach mehr als dreißig Jahren. „Helmut Schmidt“ hatte zur Kongreßeröffnung gerade eine Blüte, aber die unzähligen Knospen, das gesunde Blatt, auch die Würde im Verwelken verheißen viel für die Zukunft.

Allerdings – die Bestellungen von „Helmut Schmidt“ gingen seit dem Regierungswechsel zurück. Ein Grund, warum zumindest die Rosenzüchter nicht ganz traurig waren, daß weder Kanzler Kohl noch Bundespräsident Carstens der Einladung zum Weltrosenkongreß gefolgt sind. Dann hätte man höflichkeitshalber wieder eine Rose auf einen Politiker getauft und weiß doch nie, wie lange dieser Name zieht.

Über tausend Rosenliebhaber aus 25 Nationen vergaben dieses Jahr im einzigen Rosenneuheitengarten der Bundesrepublik in Baden-Baden die Medaillen. Die Rosenzüchter bewerten unabhängig, für sie ist das Votum der Laienjury der Start für den Wettlauf um die Lizenzen für Zucht und Verkauf der erwählten Rosen.

In Gruppen von je sieben, sprachlich bunt gemischt, durchstreiften die Juroren die Anlage. 93 Neuheiten waren zu vergleichen, „She has a nice texture.“ „Diese Sorte ist nach einer Woche im Haus noch schön.“ „It is unusual.“ „Très élégante.“ „I doubt it will have the same colour in the States.“ Gesprächsfetzen am Beet 42. Es ging um die Julius-Rose, eine neue Farbe zwischen Kupfer, Altrosa und Pergament. Sie wirkt wie die Schöpfung eines geschickten Dekorateurs, passend zu altem Leder oder vergilbten Stichen.

Die Amerikaner sind begeistert von solchen Farbkreuzungen. Schnüffelnd, Blätter und Blüten betastend, Zahlen diskutierend standen die Juroren an den Beeten. Delegierte der nationalen Vereinigungen der Rosenfreunde, aber auch private Rosenliebhaber waren dabei. Die Adelige aus Belgien zum Beispiel, in deren Schloßgarten 280 Jahre alte Rosen blühen und die die Liebe zu Rosen schon mit der Muttermilch eingesogen hat. Die Nordirin, die ein altes Haus gekauft hat und dann anfing, die dazu passenden Rosen aus der Zeit zu suchen und so zur Rosenahnenforscherin wurde. Der pensionierte Gartenbaudirektor oder der Rosenbildersammler aus Südafrika. So wie andere zu großen Konzerten oder berühmten Rennen reisen, pilgern sie zu den Rosengärten dieser Welt.