Die soziale Absicherung der Beschäftigten kommt den siechen Konzern teuer zu stehen

Von Hans Otto Eglau

je Lage erinnert an einen auf der Intensivstation liegenden Schwerkranken: An zahlreichen Schläuchen hängend, läßt er nur noch schwache Herztöne vernehmen. Die Krankenkasse weigert sich, für die kostspielige Behandlung des Todgeweihten noch weiter aufzukommen, die Angehörigen sind finanziell selber fast am Ende.

Der erbarmungswürdige Patient, auf den diese Beschreibung haargenau zutrifft, ist die Firma ARBED Saarstahl GmbH in Völklingen. Deutschlands sechstgrößter Stahlhersteller (17 500 Beschäftigte, Jahresumsatz 1982: rund 2,2 Milliarden Mark), das ist die bittere Wahrheit, ist zum Überleben zu schwach und zum Sterben zu groß. Insgesamt pumpten die Regierungen in Bonn und Saarbrücken seit 1978 knapp 2,9 Milliarden Mark an Bürgschaften, Zuschüssen und Zinsübernahmen in das angeschlagene Unternehmen. Erst Ende Juni mußten die Politiker mit einer neuen Geldspritze von 180 Millionen Mark wieder einmal den drohenden Zusammenbruch abwenden.

Das Schlimmste: Niemand glaubt ernsthaft, daß ARBED Saarstahl mit dieser zweiten großen Rettungsaktion in kaum mehr als einem halben Jahr endgültig über den Berg ist. Vielmehr gehen die meisten davon aus, daß der sieche Konzern – wenn sich die Lage auf dem Stahlmarkt nicht kurzfristig zum Besseren wendet – schon in wenigen Monaten erneut SOS funken muß. Ob zuminest die Regierung des strukturschwachen Saarlandes noch einmal einspringen kann, erscheint indes äußerst fraglich, „wir können einfach nicht mehr“, so Saar-Ministerpräsident Werner Zeyer, „jede Mark, die wir ARBED Saarstahl geben, müssen wir uns selber am Markt leihen.“

Entnervt von der Dauerkrise

Auch der politische Wind hat sich an der Saar mittlerweile gedreht. Konnte sich vor einem Jahr noch kaum jemand vorstellen, daß in Völklingen und Burbach, in Neunkirchen und Homburg die Lichter ausgehen, wächst die Kritik vor allem mittelständischer Kreise an der bevorzugten Behandlung des konkursreifen Stahlriesen, Zu dem überall spürbaren Stimmungswandel hat besonders die Enttäuschung über die Unfähigkeit des Managements beigetragen, ihr im letzten Dezember präsentiertes Sanierungskonzept zu realisieren.