Die Badischen Stahlwerke können von seinem Ideenreichtum nur profitieren

Willy Korf sitzt da, als sei nichts gewesen. Als Aufsichtsratsvorsitzender präsidiert er der Pressekonferenz der Badische Stahlwerke AG (BSW), was für sich allein schon ungewöhnlich ist. Hier kommt aber noch hinzu, daß sich das Unternehmen in einem Vergleichsverfahren befindet und ausgerechnet der Aufsichtsratsvorsitzende dafür verantwortlich ist, daß es zu diesem Vergleich kam. Denn die Insolvenz der Korf-Industrie- und Handels-GmbH & Co. KG, die über die Korf-Stahl-AG neunzig Prozent des Aktienkapitals von BSW hält, riß das Unternehmen mit in den Strudel.

Und das war keineswegs eine Verkettung unglücklicher Umstände, sondern gezielte Politik der Obergesellschaft, die über ihre Tochter eigene Finanzlücken stopfte. Die Korf-Industrie-und-Handel führte, so der BSW-Geschäftsbericht, „für unser Unternehmen exklusiv den Schrotteinkauf und den Verkauf der Fertigerzeugnisse“ durch.

So war es ganz einfach, der Tochter Liquidität zu entziehen und sie sich selbst einzuverleiben. Korf ließ die BSW im voraus für spätere Schrottlieferungen zahlen und verkaufte den Stahl der BSW, ohne dieser gleich den Erlös gutzuschreiben.

Was dabei herauskam, liest sich im BSW-Geschäftsbericht so: „Durch die Insolvenz der Korf-Industrie-und-Handel wurde unsere Gesellschaft als Wechselverpflichtete für Schuldwechsel der Korf-Industne-und-Handel in Höhe von 52,9 Millionen Mark in Anspruch genommen. Außerdem bestanden zum Bilanz-Stichtag Forderungen in Höhe von 22 Millionen Mark, die im wesentlichen aus Lieferungen und Leistungen resultieren. Infolge dieser Sondereinflüsse weist unsere Gesellschaft zum 31. 12. 1982 einen Bilanzverlust von 74,5 Millionen Mark auf.“

BSW mußte also nicht Vergleich anmelden, weil das Betriebsergebnis so schrecklich negativ war, sondern weil die Obergesellschaft Geld abgezogen hatte. Aber für Willy Korf ist das alles offenbar schon bewältigte Vergangenheit. Wie selbstverständlich steht er den Journalisten gemeinsam mit dem Vergleichsverwalter, dem Stuttgarter Rechtsanwalt Hans Ringwald und dem Vorstandssprecher Horst Weitzmann Rede und Antwort. Und die Frage, warum denn Korf Aufsichtsratsvorsitzender sei, beantwortet Ringwald so: „Herr Korf ist nach den Regeln des Aktiengesetzes in den Aufsichtsrat und von diesem zum Vorsitzenden gewählt worden.“ Zumindest Korf selbst schließt nicht aus, daß er eines Tages auch wieder Aktionär des Unternehmens sein wird.

Denn die Aktien, die Korf bei Banken verpfändet hat, sollen, nach erfolgreichem Abschluß des Vergleichsverfahrens einem breiteren Aktionärskreis zugänglich gemacht werden. Und auf die Frage, ob er auch dazu gehören werde, sagt Korf: „Ich hoffe es.“