Klaus Barbie arbeitete nach dem Krieg für den amerikanischen Geheimdienst, der ihn vor seinen französischen Richtern schützte. Aber der französische Geheimdienst verhielt sich zur selben Zeit ganz ähnlich.

Die Nazijäger Beate und Serge Klarsfeld haben der französischen Öffentlichkeit jetzt ein Dokument des französischen Nachrichtendienstes aus dem Jahr 1947 vorgelegt. Das Geheimpapier beschreibt einen schutzwürdigen Mitarbeiter: „Er ist ein wertvoller Mann, der konfrontiert mit anderen Zeugnissen, die er in Paris finden wird, die wichtigen Phasen der Verhöre benennen kann, die Bedingungen, unter denen es zu bestimmten Verhaftungen gekommen ist und sogar die Gründe dieser Verhaftungen, was uns die Verhaftung von Denunzianten erlaubt.“

Der Mann, der 1947 in französischen Diensten stand, um die Denunzianten von 1944 zu denunzieren, war Ernst Misselwitz, „der Patron der Gestapo in der Avenue Foch“, also der Folterkammer in Paris, wie sich Gilberte Brossolette erinnert, die Witwe eines der legendären Résistance-Helden. Pierre Brossolette, politischer Zögling des Volksfront-Premiers Léon Blum, war ein führender Organisator des Widerstands gegen die Deutschen Besatzer. Im Februar 1944 wurde er verhaftet; einen Monat später stürzte er sich während eines Verhörs aus dem Fenster, offenbar weil er fürchtete, unter weiterer Folter zum Verräter zu werden. Das Verhör leitete Ernst Misselwitz.

Im Oktober 1945 meldet sich der 36jährige Misselwitz bei den französischen Sicherheitsdiensten im Nordwesten Berlins, denen er seine Vergangenheit und seine guten Dienste anbietet. Misselwitz wird kurze Zeit eingesperrt, bewährt sich als Spitzel unter den Mithäftlingen und wird nach seiner Freilassung zum nützlichen Mitarbeiter der Franzosen – „ein wirklicher Freund“ schreibt 1948 ein Geheimdienstoffizier, der vier Jahre zuvor mit Brossolette im Untergrund gekämpft hatte. Als Misselwitz 1952 in Paris zu fünf Jahren Haft in absentia verurteilt wird (die Klarsfelds vermuten, Geheimdienstkreise seien für die Milde des Urteils verantwortlich), hat sich seine Spur verloren. Gi