Das Haus im Grünen, von dem hier die Rede sein soll, war ein Landsitz, der sicher auch in kälteren Jahreszeiten genutzt worden ist. Ein richtiges zweites Heim. Es wurde bewohnt von einem Mann, der in einem seiner Gedichte feststellt, daß ihn seine Mutter in die Städte hineintrug, als er sich nicht dagegen wehren konnte, als er noch in ihrem Leib lag. Und er befürchtete, daß die Kälte der Wälder Bis zu seinem Absterben in ihm bleiben würde. Er fühlte sich dann trotzdem in der Asphaltstadt daheim.

Aber so ganz wohl auch wieder nicht. Denn als er 1948 in das Land zurückkehrte, das ihm seit 1933 hatte keine Heimat mehr sein können, ließ er sich wieder in einer Großstadt nieder. Berlin wurde sein Zuhause und es zog ihn dorthin, wo die Stadt ganz Stadt war, aber er liebäugelte auch schon wieder mit der Ruhe und Abgeschiedenheit der Wälder, die eine so wundersame Arbeitsatmosphäre für ihn boten. Ruhige Plätze zum Arbeiten hatte er schon im Exil geliebt, gesucht und gefunden – dank des Organisationstalents seiner Frau. Sie war es auch wieder, die 1952 ein Haus ausmachte, das ihm wie geschaffen schien für seine Zwecke.

Am 14. 2. 1952 notierte er in sein Arbeitsjöurnal: „mit belli in buckow in der märkischen Schweiz landhäuser angesehn, finden auf schönem grundstück am wasser des schermützelsees unter alten großen bäumen ein altes, nicht unedel gebautes häuschen mit einem andern, geräumigeren, aber ebenfalls einfachem haus daneben, etwa 50 schritte entfernt, etwa der art wäre erschwinglich, auch im unterhalt, in das größere haus könnte man leute einladen.“

Und er hat sie eingeladen, die Freunde, die Mitarbeiter, ins größere Haus. Es blieben ihm leider nur vier Jahre, solche Einladungen auszusprechen. Das Haus diente dann noch Jahre seiner Frau, Helene Weigel, als Erholungsort. 1977 wurden alle in das Haus eingeladen, die sich für das Leben dieser beiden interessierten.

Die ehemalige „Eiserne Villa“ in Buckow, die trotz ihres Namens einmal abgebrannt war, die von einem Bildhauer als Atelier genützt worden war und den beiden Theaterleuten ab Arbeits- und Erholungsstätte gedient hatte, wurde als „Brecht-Weigel-Haus“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Besichtigt werden können seitdem die Räume im Erdgeschoß, in denen hauptsächlich Briefe und Photos Auskunft über ihr Leben geben. Ein Erlebnis ist das große Zimmer, der weite Blick hinaus auf den stillen See. Brecht-Liebhaber erhalten an einem kleinen Verkaufsstand Brecht-Bücher und -Plakate. Aber auch der Garten lädt zu einem Rundgang ein. Wer an einer der halbstündigen Führungen teilnimmt, wird auch ins Bootshaus geführt, das als ein kleines Theatermuseum eingerichtet ist. Attraktion ist der Planwagen der Courage, den die Weigel im Januar 1949 zur Uraufführung der „Mutter Courage und ihre Kinder“ über die Bühne des Deutschen Theaters gezogen hat.

Brecht macht es seinen Lesern und Zuschauern ja nicht gerade einfach – mit dem Verstehen. Zu Anstrengungen muß man schon bereit sein. Diesem Grundsatz folgten die Museumsleute wohl auch mit der Festsetzung der Öffnungszeiten: Vom 1. Oktober bis 30. April kann man montags, donnerstags und freitags jeweils von 10 bis 11.30 Uhr und von 13 bis 15 Uhr zu Besuch kommen; zu diesen Zeiten beginnen die jeweils ersten und letzten halbstündigen Führungen. Wer lieber im Sommer, also zwischen dem 1. Mai und dem 30. September nach Buckow kommen möchte, findet zu den gleichen Zeiten dienstags, donnerstags bis sonntags Einlaß.