Immer mehr Unternehmen im Familienbesitz werden Aktiengesellschaften und wollen an die Börse

Von Hans Otto Eglau

Gleich waschkorbweise – so ein Augenzeuge – gingen die Bestellungen ein. Noch im Verlauf des ersten Verkaufstages mußte die Auftragsannahme abrupt eingestellt werden, das Angebot war um ein Mehrfaches überzeichnet.

Kein Preisknüller aus dem Quelle- oder Otto-Katalog war es, der am letzten Donnerstag für Kauffieber sorgte. Gefragt waren vielmehr die an diesem Tag erstmalig angebotenen 160 000 Inhaberaktien der bis dahin weitgehend unbekannten Bremer Familienfirma Gestra AG.

Die stürmische Nachfrage nach den zum Stückpreis von 125 Mark an der Börse eingeführten Papieren des auf Armaturen für die Wärme- und Energietechnik spezialisierten Maschinenbau-Unternehmens war für Insider jedoch alles andere als überraschend. Zahlreich wie schon lange nicht mehr, drängen in diesen Monaten Familiengesellschaften an die Börse und finden für ihre Anteile reißenden Absatz. Schon fünf Firmen öffneten in diesem Jahr ihre Tore anlagebereiten Kleinsparern, eine weitere Handvoll könnte es bis Ultimo 83 durchaus noch werden.

Geburtshelfer Ertl

Und noch weitaus mehr Familienunternehmer scheinen den entscheidenden Schritt auf den Aktienmarkt ernsthaft in überlegen. „In unserer Branche kenne ich allein etwa fünfzehn Firmen, die sich dafür interessieren“, berichtet Peter Herlitz, Finanzvorstand der schon seit sechs Jahren börsennotierten Herlitz AG in Berlin, Hersteller von Papier-, Büro und Schreibwaren. Mit dreißig bis vierzig Interessenten in Verbindung steht Walter Schürmann, Gründer des Instituts für Recht und Wirtschaft in Frankfurt, das als Finanzratgeber speziell für Familienfirmen einen besonders guten Marktüberblick hat. „Wenn ich alle Anfragen berücksichtige, sind es bestimmt fünfzig“, schätzt gar Bernd Ertl, geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Emissionsfirma PM Portfolio Management GmbH.