Der Geschäftsführende Direktor des Weltwährungsfonds wandelt auf schmalem Grat

Jacques de Larosière de Champfeu ist die le-

bendige Bestätigung der alten Erfahrung, daß ein Mann mit seinen Aufgaben wächst. Vielleicht hätte der 53 Jahre alte Franzose in der Geschichte seines Landes Spuren hinterlassen, wenn er seine Karriere in Frankreich fortgesetzt hätte. Schließlich war er persönlicher Assistent und Kabinettschef von wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing und vier Jahre lang Directeur des französischen Finanzminsteriums. Aber erst als er im Jahre 1978 sechster Geschäftsführender Direktor des Weltwährungsfonds wurde, ist er international bekannt geworden. Seit ihm im Sommer 1982 das Krisenmanagement in der internationalen Schuldenkrise zugefallen war, wird sein Name bei Regierungen, Notenbanken und Geschäftsbanken überall in der Welt sogar mit geziemendem Respekt genannt.

Dabei galt er in der Finanzwelt zunächst als weicher Mann. Es schien, als ginge er mit den Schuldnerländern, die sich zur Wiederherstellung des gestörten Gleichgewichts in ihren Zahlungsbilanzen beim Währungsfonds Geld liehen, zu lasch um. Seine Kritiker warfen ihm vor, er verschleudere knappe Mittel, weil er den Schuldnern die Daumenschrauben nicht hart genug angezogen habe.

Er bestreitet das. Solange er nur kleine Summen anzubieten hatte, konnte er damit schwerlich die notwendigen Korrekturen erzwingen. Das wurde später anders. Und übrigens hätten manche Sanierungsprogramme aus seinen ersten Amtsjahren nicht funktioniert, was er als Beweis für zu harte Bedingungen interpretiert.

Wie dem auch sei: Was in ihm steckt, demonstrierte de Larosière zum erstenmal eindrucksvoll während der Mexiko-Verhandlungen des vergangenen Jahres. Zur Aufrechter? Haltung der Zahlungsfähigkeit des überschuldet ten Landes fehlten damals noch fünf Milliarden Dollar, Weil die Banken kalte Füße bekommen hatten. Währungsfonds und Regierungen einiger Industrieländer hatten die Summen, die sie aufbringen konnten, schon fest versprochen. Aber an der Fünf-Milliarden-Dollar-Lücke schien alles zu scheitern.

Da lud de Larosière die Vorstände der Gläubigerbanken aus Amerika, Kanada, Europa und Japan für den 16. November 1982 in die Federal Reserve Bank nach New York ein. In makellosem Englisch mit gallischem Akzent hat er ihnen zunächst das mexikanische Sanierungsprogramm erklärt, anschließend die Leviten gelesen und sie dann aufgefordert, die fünf Milliarden bis Mitte Dezember aufzubringen. Andernfalls könne er das mit Mexiko ausgehandelte Sanierungsprogramm seinen Exekutiv-Direktoren nicht zur Annahme empfehlen.